Fintech-Hub Litauen macht der Schweiz Konkurrenz

Immer mehr Fintech-Unternehmen lassen sich in Litauen nieder, wie aus einem Artikel der „Handelszeitung“ hervorgeht. So haben sich etwa das Start-up Transfergo, das chinesische Fintech International Business Settlement oder die britische Digitalbank Revolut für den Standort entschieden. Und auch Google Pay, der Bezahldienst von Google, hat dort kürzlich eine Fintech-Lizenz erhalten.

Litauen hat sich vorgenommen, zum führenden Fintech-Hub zu werden. Die Plattform Invest Lithuania des litauischen Wirtschaftsministeriums wirbt laut dem Artikel etwa mit einer Fintech-Lizenz, die innerhalb von drei Monaten ausgestellt wird und Zugang zu den EU-Ländern eröffnet. Ausserdem seien „für eine Banklizenz ‚lite‘ die Kapitalanforderungen fünfmal tiefer als in anderen EU-Ländern“. Letztere ist den Angaben zufolge innerhalb von sechs Monaten erhältlich. Nicht zuletzt sind Jungunternehmen dank einer sogenannten Sandbox im ersten Jahr von Regulationen befreit.

Die Schweiz muss sich nun anstrengen, um im Standortwettbewerb mithalten zu können. Patrik Schär, Chef des Fintech-Start-ups Selma Finance und Gründungsmitglied des neuen Verbands Swiss Wealthtech Leaders, ist der Meinung, dass die Schweiz von ihrem internationalen Ruf der Stabilität und Vertrauenswürdigkeit zwar profitiere, sich aber nicht darauf verlassen könne. „Für die Schweiz ist es deshalb wichtig, dass sie ebenfalls eine zukunftsgerichtete Regulation anbieten kann“, sagt er gegenüber der Zeitung. Er hebt jedoch positiv hervor, dass die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) bereits offener geworden sei.

Seit 2019 können Start-ups bei der Finma eine Fintech-Bewilligung beantragen. Allerdings biete diese im Gegensatz zu der Lizenz in Litauen keinen Zugang zu den EU-Ländern. „Als Schweizer Fintech hat man den Nachteil, dass man zusätzlich eine EU-Lizenz braucht, wenn man dort seine Dienstleistungen anbieten will“, so Schär. Dann jedoch unterstehe man an zwei Orten der Regulation.

Laut Thomas Ankenbrand, Fintech-Experte an der Hochschule Luzern, seien in der Schweiz daher viele Start-ups im B2B-Bereich tätig. „Für das direkte Kundengeschäft ist der Markt oftmals zu klein“. ssp