Finanzprofessor will Steuersystem umbauen

07. August 2019 14:46

Zürich - Der Zürcher Finanzprofessor Marc Chesney will die Bundessteuern abschaffen. Stattdessen soll aus jeder Geldtransaktion ein kleiner Teil in die Bundeskassen fliessen. Chesney plant bereits eine Volksinitiative. Kritiker warnen vor der Abwanderung von Grossbanken ins Ausland.

Marc Chesney leitet das Institut für Banking und Finance an der Universität ­Zürich. Der Finanzexperte arbeitet derzeit an einer neuen Volksinitiative für eine Steuerrevolution, wie aus einem Artikel des „Tages-Anzeigers“ hervorgeht. Nach seiner Vorstellung sollen Beteiligte jeder digitalen Geldtransaktion zum Beispiel 0,1 Prozent an den Staat abgeben. Diese Abgabe soll dem Artikel zufolge in erster Linie Grossbanken treffen.

Chesney schätzt die Summe aller elektronischen Transaktionen in der Schweiz auf jährlich 100.000 Milliarden Franken. Zu diesen 100.000 Milliarden trage die reale Wirtschaft deutlich weniger als 10 Prozent bei. „Den Grossteil ­machen Finanz­geschäfte aus“, betont er.  Folglich müssten deren Urheber den Grossteil der Mikrosteuer bezahlen.

Mit dieser neuen Steuer könnten laut Chesney drei bisherige Steuern eingespart werden, nämlich die Mehrwertsteuer (23 Milliarden Franken Einnahmen pro Jahr), die Bundessteuer (22 Milliarden) sowie die Stempelsteuer (2 Milliarden). „Den Rest der Einnahmen könnten wir für die ­Altersvorsorge oder den Kampf gegen den Klimawandel einsetzen“, sagt er gegenüber dem „Tages-Anzeiger“.

Kritiker wie Reiner Eichenberger, Wirtschaftsprofessor in Freiburg, warnen vor diesem Steueransatz. Banken müssten nach Einführung einer solchen Steuer die betroffenen Geschäftsbereiche ins Ausland verlegen oder schliessen, sagt er der Zeitung. Dadurch werde die Abgabe kaum Geld einbringen. ssp

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