Feinstaub wird durch oxidatives Potenzial risikoreicher

19. November 2020 10:43

Villigen AG - Oxidativer Feinstaub stellt das grösste Gesundheitsrisiko dar, nicht allein die aufgenommene Menge. Deutliche Hinweise darauf haben Forschende des Paul Scherrer Instituts gemeinsam mit Kollegen mehrerer europäischer Institutionen gefunden.

Forschende des Paul Scherrer Instituts (PSI) konnten gemeinsam mit Kollegen verschiedener anderer europäischer Institute zeigen, dass Feinstaub aus bestimmten Quellen besonders gesundheitsschädlich sein kann. Ihre Analyse von Feinstaubproben ergab, dass nicht allein die Menge das grösste Gesundheitsrisiko darstellt, sondern das oxidative Potenzial von Feinstaubpartikeln. Darüber informiert das PSI in einer Medienmitteilung. Die Originalstudie wurde am Mittwoch im Fachmagazin „Nature“ veröffentlicht. 

Laut Schätzungen verschiedener Studien ist Feinstaub jährlich für mehrere Millionen Todesfälle verantwortlich. Damit stellt er das grösste Gesundheitsrisiko dar, das von Luftverschmutzung ausgeht. Was genau Feinstaub so gefährlich macht, sei allerdings noch nicht genau bekannt, heisst es in der Mitteilung.

Stehen Zellen in menschlichen Atemwegen unter Stress, geben sie einen Signalstoff an das Immunsystem ab, der im Körper Entzündungsreaktionen in Gang setzt. Zwar sei die kausale Verbindung zwischen erhöhtem oxidativem Potenzial und einer Gesundheitsgefährdung noch nicht eindeutig erwiesen, heisst es von Kaspar Dällenbach von der Forschungsgruppe Gasphasen- und Aerosolchemie am PSI-Labor für Atmosphärenchemie. „Die Studie ist aber ein weiterer deutlicher Hinweis darauf, dass dieser Zusammenhang besteht.“

Zusätzlich errechneten die Forschenden anhand des chemischen Profils von Feinstaubproben aus der Schweiz, an welchen Orten Europas das höchste oxidative Potenzial durch Feinstaub herrscht. Als kritische Regionen identifizierten sie vor allem Ballungsräume wie Paris und die Po-Ebene in Norditalien.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass alleine die Regulierung der Feinstaubmenge unter Umständen nicht zielführend sein könnte“, so Dällenbach. Zudem lasse eine Partnerstudie der Universität Bern vermuten, dass Bevölkerungsgruppen mit Vorerkrankungen besonders von entsprechenden Massnahmen zur Verringerung der Feinstaubbelastung profitieren könnten. mm 

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