Experten schlagen globale Medtech-Vereinbarung vor

27. April 2020 13:08

St.Gallen - Die Corona-Pandemie könnte laut Simon Evenett und Alan Winters die Grundlage für eine globale Vereinbarung zum Handel mit Medizinalgütern schaffen. Die Experten für Welthandel schlagen vor, dass exportierende Länder auf Exportbeschränkungen und importierende auf Einfuhrzölle verzichten.

Die Corona-Pandemie hat ein weltweites Seilziehen ausgelöst, welche Länder die benötigten Medizinalgüter verwenden können. Importierende Länder haben die Hürden für die Importe massiv gesenkt, exportierende Länder dagegen Exportbeschränkungen erlassen. Simon Evenett, Professor für Welthandel an der Universität St.Gallen, und Alan Winters, Wirtschaftsprofessor an der Universität Sussex, schlagen nun in einem Artikel im Global Trade Alert vor, diese Ausgangslage für eine neue globale Vereinbarung über den Handel mit Medizinalgütern zu nutzen. 

Die importierenden Länder würden im Rahmen dieser Vereinbarung darauf verzichten, die früheren Hürden für den Import der betroffenen Medizinalgüter wieder einzuführen. So sollten keine neuen Importzölle mehr erhoben werden. Wenn importierende Länder während der Krise die technischen Standards anderer Länder akzeptiert haben, sollten sie es auch künftig tun. Umgekehrt sollten die exportierenden Länder sich verpflichten, künftig weitestgehend auf Exportbeschränkungen zu verzichten. 

Diese Vereinbarung sollte allen Mitgliedern der Welthandelsorganisation (WTO) offenstehen und zunächst provisorisch gelten. Damit könnte laut Evenett und Winters auf lange Verhandlungen verzichtet werden. Die von den Staaten während der Corona-Krise ergriffenen Massnahmen würden so zum Ausgangspunkt für eine pragmatische Regelung des künftigen Welthandels mit Medizinalgütern.

Der Global Trade Alert wurde 2009 initiiert, um protektionistische Massnahmen im Welthandel zu beobachten. Die Initiative wird vom Centre for Economic Policy Research am Schweizerischen Institut für Aussenwirtschaft der Universität St.Gallen unter Leitung von Simon Evenett koordiniert und von der Max Schmidheiny Stiftung und der Universität St.Gallen unterstützt. stk

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