Ex-Diplomaten legen geopolitisches Handbuch vor

12. Oktober 2021 12:59

Zürich - Geopolitische Zusammenhänge dürften den Geschäftserfolg von Unternehmen künftig stärker prägen als bisher. Darauf weisen die Ex-Botschafter Philippe Welti und Daniel Woker hin. Mit „Meere und Märkte“ legen sie dazu ein leicht lesbares Handbuch vor.

Die Zeiten sind vorbei, in denen Unternehmen ihre internationale Geschäftstätigkeit allein durch eine kurzfristige rein wirtschaftliche Perspektive betrachten können. Das zeigen Philippe Welti und Daniel Woker in ihrem Buch „Meere und Märkte“. Die ehemaligen Schweizer Diplomaten beschreiben, wie der Antagonismus zwischen China und den USA auch die Wirtschaft prägt.

Die Autoren gliedern ihre Darstellung nach den Meeren, vom Pazifik über den Indischen Ozean und den Persischen Golf hin zum Mittelmeer und zum Atlantik. Sie zeigen auf, wie Amerika versucht, China wieder einzuhegen, indem sie das sogenannte Quad-Bündnis mit Australien, Indien und Japan schmieden. 

Die Autoren analysieren die Doppelrolle Russlands als Partner und Konkurrent Chinas. Indien wiederum krankt an seinen inneren Widersprüchen. Der Hindunationalismus bremst das Land ebenso wie die Reste des Sozialismus, Bürokratie und Korruption. Der Nahe und Mittlere Osten wird durch gescheiterte Staaten wie Irak, starke Männer wie der türkische Präsident Erdogan und instabile Regimes wie Saudi-Arabien geprägt.

Welti und Woker werfen einen wohlwollenden Blick auf die EU. Die „Unionisierung“ Europas sei kaum aufzuhalten. Die EU setze schon jetzt globale Regeln, künftig wohl auch in Sachen Nachhaltigkeit. Aber ihr fehle ein klares Sicherheitsprofil. Künftig müsse sie imstande sein, um sich her selber für Sicherheit zu sorgen. Amerika dagegen werde sich vermehrt dem Pazifik zuwenden – weg von Europa.

Die Schweiz sei geopolitisch Teil dieses Europas. Allerdings hätten gutbetuchte Sonderinteressen das Land „zunehmend in eine europapolitische Isolation geführt“.

Unternehmen können sich diesen Zusammenhängen nicht entziehen, so die Autoren. Regierungen und Organisationen griffen immer mehr zu Wirtschaftssanktionen, Firmen müssten deren Folgen berücksichtigen. Dem Internet drohe mindestens die Zweiteilung in ein abgeschottetes in China und das Rest-Netz.

Das handliche Buch wird ergänzt durch QR-Codes mit Vertiefungen. Dazu gehören Erläuterungen etwa zu einzelnen Ländern wie Thailand oder zum Wert der ASEAN sowie ein Interview mit dem ehemaligen australischen Regierungschef Kevin Rudd zu China. Mark Dittli, Gründer der Finanzplattform The Market, hat ein Vorwort beigesteuert.

Welti und Woker haben mit Share-an-Ambassador/Geopolitik von Experten ein Beratungsunternehmen gegründet, das bei der Orientierung in der Welt hilft. stk

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