ETH-Forscherinnen bringen Protein-Messung voran

08. Februar 2021 12:31

Zürich - Systembiologinnen der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) können jetzt zusätzlich zur Gesamtmenge von Proteinen in einer Zelle auch deren funktionelle Veränderungen auslesen. Das könnte Proteine besser als Biomarker nutzbar machen.

Forschende können seit einigen Jahren mit bestimmten Messgeräten schnell und exakt bestimmen, wie sich die Mengen jeder einzelnen Proteinspezies in einer menschlichen Zelle ändern, wenn sich die Umweltbedingungen wandeln. Systembiologinnen der ETH Zürich ist es nun gelungen, diesen Ansatz weiterzuentwickeln: Sie können im Proteom, also in der Gesamtheit der in einer Zelle vorkommenden Proteine, jetzt gleichzeitig auch für verschiedenste molekulare Ereignisse Strukturveränderungen auslesen, die bei Proteinen zu Funktionsänderungen führen. Darüber informiert die ETH jetzt in einer Mitteilung

Mit dieser neuen Methode können die Forscherinnen nun nicht wie bisher nur Häufigkeiten, sondern auch zahlreiche Enzymaktivitäten, molekulare Interaktionen und chemische Veränderungen an Ort und Stelle, also direkt in Zellflüssigkeiten, messen. Dies sei ein wichtiger Schritt, um Proteine künftig als wertvolle Biomarker besser nutzbar zu machen.

Dass dieses Vorgehen auch diagnostisch sehr aufschlussreich sein kann, hat das Team um Paola Picotti, Professorin für Molekulare Systembiologie, am Beispiel mehrerer Hundert Proben von Parkinson-Kranken gezeigt: Die meisten Proteine waren sowohl in gesunden wie erkrankten Menschen etwa gleich häufig. Doch zeigte eine Vielzahl von Proteinen in den Proben von Kranken veränderte Strukturen.

Auch in der Analyse von Proben für die Medikamentenentwicklung ist dieses Verfahren einsetzbar. Die auf Proteomik spezialisierte ETH-Ausgründung Biognosys habe die Methode bereits lizenziert und biete sie erfolgreich kommerziell an, heisst es in der Mitteilung. Auch die akademische Welt zeige grosses Interesse: „Ich erhalte wöchentlich mehrere Anfragen von auswärtigen Forschenden, ob mein Labor Proben für sie untersuchen könne“, so Picotti. mm

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