ETH berechnet mögliche zweite Welle der Pandemie

27. Mai 2020 14:06

Zürich - Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) haben ein Model für eine mögliche zweite Welle der Coronavirus-Pandemie in der Schweiz erstellt. Sie würde voraussichtlich flacher verlaufen, aber mehr Todesopfer fordern als die erste.

Falls die Schweiz von einer zweiten Welle der Coronavirus-Pandemie getroffen wird, werde diese vermutlich langsamer ansteigen als die erste, schreibt die ETH in einer Mitteilung. Dies haben die ETH-Forscher Dirk Mohr und Fadoua Balabdaoui in einem von ihnen entwickelten mathematischen Modell berechnet. „Behörden werden daher im Vergleich zur ersten Welle mehr Zeit haben um zu handeln und um Massnahmen laufend anzupassen“, wird Mohr in der Mitteilung zitiert.

Mit einem langsamen Anstieg werde zwar ein Engpass im Gesundheitswesen vermieden, heisst es in der Mitteilung weiter. Er könnte jedoch mit einer sehr hohen Anzahl weiterer Todesfälle verbunden sein. „Besonders heimtückisch wäre eine sehr langsam ansteigende zweite Welle mit einer Reproduktionszahl nur knapp über 1“, meint Mohr.

Den Berechnungen der Forscher zufolge haben in der Schweiz besonders die 10- bis 20-Jährigen und Menschen im Alter zwischen 35 und 45 Jahren zur Verbreitung des Virus beigetragen. Sie messen daher der Einhaltung von Abstandsregeln an Schulen besondere Bedeutung zu. „Wir müssen uns bewusst sein: Wenn die Reproduktionszahl über 1 liegt, lohnen sich Massnahmen in den Schulen, bei der Arbeit und im öffentlichen Leben“, warnt Mohr. „Sie mögen im Einzelfall übertrieben erscheinen, doch sie retten immer Menschenleben.“ Den Berechnungen der Forscher zufolge könnte die Halbierung der Übertragungsgeschwindigkeit in den Schulen die Zahl der zu erwarteten Toten einer zweiten Welle von 5000 auf unter 1000 Opfer senken. hs

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