Erstmals entsteht eine Brücke mit Schweizer Carbon-Innovation

05. Mai 2020 14:37

Fehraltorf ZH/Stuttgart - Seit kurzem hängt die Betonfahrbahn einer Brücke bei Stuttgart an Carbon-Hängern der Carbo-Link AG aus Fehraltdorf. Eingesetzt wird hierfür ein innovatives Material, an dessen Entwicklung massgeblich die Empa beteiligt war.

Bei der brandneuen 127 Meter langen Eisenbahnbrücke über der Autobahn A8 bei Stuttgart kommen 72 Hängeseile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK) zum Einsatz. Diese stammen von der Carbo-Link AG mit Sitz in Fehraltorf, einem Spin-Off der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa). Laut einer Mitteilung der Empa überzeugt das Material im Vergleich zu Alternativen aus Stahl nicht nur durch Vorteile wie sein geringes Gewicht, sondern auch durch niedrige Erstinvestitionskosten. Die  Carbo-Link AG arbeitet seit rund 20 Jahren mit CFK und produziert unter anderem CFK-Rückhaltestangen für Baukräne. Die neuen Hänger wurden eigens für das Brückenbauprojekt entwickelt.

Konkret wurde für die Verlängerung der Stadtbahnlinie der Stuttgarter Strassenbahnen AG (SSB) in einem spektakulären Brückenschlag eine rund 1500 Tonnen schwere Netzwerk-Bogenbrücke über die gesperrte Autobahn geschoben. Nach anfänglich geplanten Stahlhängern hatte sich das Ingenieurbüro schlaich bergmann partner (sbp) in Zusammenarbeit mit Carbo-Link AG für CFK-Hänger entschieden. Die 72 Hänger sollen nun lediglich 1675 Kilogramm des Gesamtgewichtes ausmachen, heisst es. Die CFK-Hänger wurden aufgrund des geringen Gewichts ohne Kran eingebaut und punkten zudem in Bezug auf Nachhaltigkeit: Verglichen mit der Stahlvariante sind die CO2-Emissionen bei CFK-Hängern rund dreimal tiefer, der Energieaufwand liegt bei weniger als der Hälfte.

Laut Empa könnte das Produkt wegweisend für zukünftige Bauten von Bogenbrücken sein. Eine Anwendung könnten unter anderem die langen Seile weit gespannter Schrägseilbrücken in Asien sein. nv

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