Ermotti fordert schlankeren Staat und Reformen

28. Januar 2019 13:43

Zürich - Laut Sergio Ermotti sinkt die Standortattraktivität und Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz. Einzig der Staat wachse in schnellem Tempo. Der UBS-CEO fordert in einem Interview einen schlankeren Staat. Ausserdem wirbt er für eine „ehrliche“ Reform der Altersvorsoge.

UBS-Chef Sergio Ermotti ist der Ansicht, dass die Schweiz an Terrain verliert. Dies sei nicht nur seine eigene Meinung. Auch verschiedene Studien weisen auf diesen Trend hin, sagt Ermotti in einem Interview mit „Schweiz am Wochenende“. So sei die Schweiz etwa im WEF-Ranking zur Wettbewerbsfähigkeit zurückgefallen und im Weltbank-Index „Ease of Doing Business“ habe sie 25 Ränge eingebüsst. Weiter haben sich auch die Neuansiedlungen „seit 2008 fast halbiert“. „Wo es in der Schweiz in schnellem Tempo vorwärtsgeht, ist einzig beim Staat: Er wächst und wächst. Ein Alarmsignal“, so Ermotti.

Ermotti fordert daher unter anderem einen schlankeren Staat. Politik und Verwaltung hängen laut Ermotti zunehmend voneinander ab und entsprechend fallen die Entscheide aus. „Die Arbeitsplätze der Zukunft entstehen nicht in der Bürokratie, sondern in der freien Wirtschaft“, betont er. Dabei gehe es ihm nicht um weniger Regulierung im Finanzbereich. Die dortige Regulierung habe ihre Gründe. „Aber für unsere Kunden ist die Regulierung in vielen Bereichen ein Problem“, so Ermotti.

Ermotti stört aber auch, „dass wir in der Schweiz nicht den Mut haben, unser Land zukunftsfähig zu machen“. Es gehe nicht nur darum, den Staat zu verschlanken. Auch „grosse Probleme“ müssten angepackt werden, wie etwa die Reform der Altersvorsorge. Die Verknüpfung der Unternehmenssteuerreform mit der AHV-Reform findet Ermotti „bedenklich“. „Es ist ein negatives Beispiel dafür, wie Politik zu oft funktioniert: Es geht einzig darum, dass etwas ‚durchkommt‘“. In der Altervorsorge würden die Probleme mit der Reform nicht gelöst.

Ermotti fordert eine ehrliche AHV-Reform. „Alle, die heute 35 oder jünger sind, sollten sich darauf einstellen, bis 70 oder 72 zu arbeiten. Für heute 50- oder 55-Jährige wäre das natürlich anders.“ Alles andere als eine stufenweise Erhöhung des Rentenalters sei unehrlich. Ermotti findet zudem, dass Gutverdiener wie er künftig keine AHV mehr bekommen sollten. Dafür könnten die Minimalrenten erhöht werden. ssp

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