ENSI widerspricht Kernkraftwerk Leibstadt

08. Februar 2019 12:23

Brugg AG - Das Kernkraftwerk Leibstadt hat einen Zwischenfall während der Jahresrevision als Ereignis der Stufe O eingestuft. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) widerspricht dieser Einschätzung nun und nimmt eine Höherstufung vor.

Während der Jahreshauptrevision am Kernkraftwerk Leibstadt (KKL) ist im vergangenen Herbst ein Wasserabscheider ausgebaut und in einem speziellen Lagerbecken aufgestellt worden, wie das ENSI in einer Medienmitteilung informiert. Aufgrund einer fehlerhaften Bedienung sei der Wasserspiegel in diesem Becken anschliessend abgesunken, wodurch „die Abschirmung der Strahlung durch das Wasser abgeschwächt wurde“.

Das ENSI weist darauf hin, dass durch den Zwischenfall die Ortsdosisleistung am Beckenrand von 0,06 Millisievert pro Stunde (mSv/h) auf 2 mSv/h angestiegen sei. Weder sei „Aktivität in die Umgebung des Kernkraftwerks freigesetzt“ worden noch seien die Dosisgrenzwerte für die Mitarbeitenden überschritten worden. Dennoch widerspricht das ENSI der Einschätzung des Kernkraftwerks, welches lediglich einen Zwischenfall der Stufe 0 der internationalen Ereignisskala INES verbucht hatte, und stuft den Vorfall auf Stufe 1 ein.

Das ENSI begründet die Höherstufung mit dem „Auftreten mehrfacher menschlicher Fehler im gesamten Arbeitsprozess des KKL“. Zudem hätten nach Vorfällen in der Vergangenheit getroffene Massnahmen bei dem neuen Zwischenfall „keine Wirkung“ gehabt. „Leider gab es in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Vorfällen aufgrund menschlichen Fehlverhaltens im KKL“, wird Georg Schwarz in der Mitteilung zitiert, stellvertretender Direktor des ENSI.

Das ENSI hat das Kernkraftwerk nun aufgefordert, zu analysieren, warum zuvor getroffene Massnahmen keine Wirkung hatten. Zudem soll es klären, warum ein Dosisleistungsmessgerät kein akustisches Warnsignal von sich gegeben hat. jh

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