Energiebedarf für Kühlung wird steigen

20. Mai 2021 14:41

Dübendorf ZH - Neben der Vermeidung von Wärmeverlusten im Winter wird auch die passive Kühlung von Gebäuden im Sommer immer wichtiger werden. Schliesslich könnte der Energiebedarf für Kühlung nach Berechnungen von Empa-Forschenden bald fast so hoch liegen wie fürs Heizen.

Steigende Temperaturen können dazu führen, dass vermehrt Kühlgeräte in privaten Haushalten installiert werden. Nach Hochrechnungen von Forschenden der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) dürfte dadurch der Energiebedarf für die Kühlung erheblich ansteigen. Laut einer Medienmitteilung hätte das einen starken Einfluss auf das künftige elektrifizierte Energiesystem.

Die Berechnungen basieren auf Daten des NEST-Gebäudes und auf Klimaszenarien für die Schweiz. Wäre die gesamte Schweiz auf Klimaanlagen angewiesen, würde bei einer technologieunabhängigen Hochrechnung bis Mitte des Jahrhunderts für das Kühlen fast genauso viel Energie benötigt wie für das Heizen, nämlich 20 Terawattstunden pro Jahr für Wärme und 17,5 Terawattstunden für das Herunterkühlen.

Würde Kälte jedoch aus einer Umkehr des Wärmepumpen-Prozesses bereitgestellt, läge der Strombedarf für 17,5 Terawatt Kühlenergie bei etwa 5,8 Terawattstunden. Bei einem moderaten Szenario gehen die Forschenden von einem zusätzlichen Energiebedarf von 5 Terawattstunden aus. Das entspräche zusätzlich etwa 2 Prozent des heutigen Strombedarfs, falls mit Wärmepumpen gekühlt wird. In einem extremen Szenario läge der zusätzliche Bedarf bei bis zu 10 Prozent. Dass die Bedarfsspitzen jahreszeitlich mit einer hohen Stromerzeugung aus Photovoltaikanlagen zusammenfallen würden, sei von Vorteil.

Schon heute sei es angezeigt, beim Bau neuer Gebäude alle Möglichkeiten der passiven Kühlung auszuschöpfen. Zentral sei auch, „dass sich auch die Politik mit dieser Entwicklung auseinandersetzt und untersucht, wie der steigende Kühlenergiebedarf am besten gedeckt und gleichzeitig die Auswirkungen auf das zukünftige, dekarbonisierte Energiesystem minimiert werden können“, so Robin Mutschler, Postdoc am Urban Energy Systems Lab der Empa. Fernkühlsysteme könnten dabei einen wichtigen Beitrag leisten. mm

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