Eisenmangel beeinträchtigt Impfschutz

23. Juli 2020 14:22

Zürich - Weltweit leiden etwa vier von zehn Kindern an Eisenarmut. Forsher der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich haben herausgefunden, dass Eisenmangel die Wirksamkeit von Impfungen verringert.

„Bei uns kommen die Babys mit einem Eisenvorrat zur Welt, der normalerweise für die ersten sechs Monate ausreicht“, erläutert Michael Zimmermann vom Departement Gesundheitswissenschaften und Technologie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) in einer Mitteilung der ETH. „Doch in Kenia und anderen südlich der Sahara gelegenen Ländern ist der Vorrat viel kleiner, vor allem bei Kindern mit geringem Geburtsgewicht.“  Gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Kenia, Grossbritannien, den Niederlanden und den USA hat Zimmermann die Auswirkungen von Eisenarmut auf den Impfschutz von Kleinkindern untersucht.

Dazu hatten die Forscher zwei klinische Studien mit Kindern in Kenia durchgeführt. Hier waren den Erkenntnissen der Forscher zufolge mehr als die Hälfte der Kinder bereits im Alter von zehn Wochen von Anämie betroffen, im Alter von zwei Jahren waren es sogar über 90 Prozent. Kinder mit ungenügenden Hämoglobin-Werten wiesen dabei ein doppelt so hohes Risiko wie die nicht anämischen Kinder auf, trotz mehrmaliger Impfungen keine vor Infektionen schützenden Antikörper auszubilden.

In einer zweiten Studie wurde einer Gruppe von etwas mehr als halbjährigen Probanden über vier Monate hinweg ein Pulver mit Mikronährstoffen verfüttert. Bei zwei Drittel der Kinder enthielt dieses Pulver auch Eisen. Diese Kinder bildeten bei einer im Alter von neun Monaten vorgenommenen Maserimpfung eine deutlich bessere Immunantwort aus als das Drittel der Kinder ohne Eisenzusatzernährung.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt zur Vermeidung von Infektionen durch verunreinigtes Wasser, Babys in den ersten sechs Monaten nur mit Muttermilch zu ernähren. Laut Zimmermann sind in den letzten Jahren aber vielerorts „grosse Fortschritte in der Wasserversorgung und im Gesundheitswesen erzielt worden“. Im Interesse eines besseren Impfschutzes plädiert der Wissenschaftler daher für eine Anpassung der WHO-Empfehlung. hs

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