Ein Virus ermöglicht es, uns neu zu erfinden

09. Juni 2020 07:45

In der Corona-Krise wurden laut Mike Fuhrmann Projekte in Rekordtempo umgesetzt und das Wohl aller über das eigene gestellt. Als Beispiel sieht er die Initiative „Helden der Einsamkeit“. Der Marketing-Leiter von Generali Schweiz hofft, dass das Projekt nachhaltig wirkt.

von Mike Fuhrmann

Covid-19 hat unser Leben und unsere Gesellschaft auf den Kopf gestellt und das in wirklich kürzester Zeit. Wer hätte Anfang des Jahres gedacht, dass wir Zeuge eines Ereignisses werden, das innerhalb von wenigen Wochen einen Grossteil der Menschheit bei bestem Wetter in den Hausarrest zwang und wir sprichwörtlich erlebten, wie sich die Natur überall auf der Welt erholt – klares Wasser in Venedig, zum ersten Mal seit über 30 Jahren sieht man von Indien aus das 200 Kilometer entfernte Himalaya-Massiv.

„I want you all to be scared”
 

Als Greta Thunberg am World Economic Forum sagte „I want you all to be scared“ hätte niemand gedacht, dass in weniger als 50 Tagen Menschen weltweit Hamsterkäufe begehen und sich zu Hause mit Toilettenpapier, Nudeln und Konserven einschliessen. Was eine 1,50 Meter grosse Schwedin nicht schafft, schafft ein mit 29,8 Nukleotiden unglaublich kleines Virus.

Auch bei der Generali Schweiz bestimmt seit Mitte Februar COVID-19 das Tagesgeschäft. Eine eigens dafür eingerichtete Taskforce verfolgte stündlich die Entwicklungen und schuf einen 6-stufigen Massnahmenplan, bei dem nach zwei Wochen bereits Stufe 4 erreicht war. Dies bedeutete, dass alle Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten und selbst unsere Agenturen nur noch über digitale Tools mit unseren Kunden kommunizierten. Mit meinem Team stellten wir sicher, dass sowohl Mitarbeiter wie auch Kunden möglichst schnell die wichtigsten Informationen zur aktuellen Situation erfuhren und wie wir unseren Kunden auch in dieser Situation zur Seite stehen. Die Digitalisierung der Firma erlebte den grössten Fortschritt seit Jahren und es zeigte sich binnen Tagen, dass unser Investment der letzten Jahre in neue Infrastrukturen jeden Franken wert war.

Auch mit kleinen Dingen Grosses ermöglichen
 

Auch psychologisch betrachtet befinden wir uns nach wie vor in einer sehr spannenden Zeit. Wann war es schon einmal so, dass alle Menschen – unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Nationalität, ihrer Kultur, ihrem Status oder ihrer sexuellen Orientierung – alle das gleiche Problem hatten? Wir stellten das Gemeinwohl und vor allem das der Risikogruppen über das eigene und es entwickelte sich eine Solidarität im Kleinen, beispielsweise in meiner eigenen Nachbarschaft, die ich so noch nie in fast 44 Jahren erfahren habe. 

Es gab sehr spannende Initiativen, wie auch den #VersusVirus Hackathon, bei dem über 5.000 Teilnehmer 263 Ideen generierten und insgesamt 16 Projekte daraus finanziert worden sind. Generali war auch einer der Unterstützer der ersten Stunde.

Und wir haben auch selbst agiert und wahre Heldentaten in 72 Stunden vollbracht. Unsere Prämisse: Wir sind gerade alle gleich – physisch getrennt, auf die eigenen vier Wände isoliert und vermissen den Austausch mit anderen. Nina Nest aus meinem Team hatte mittels Growth Hacking eine Umfrage gestartet und herausgefunden, dass aktuell 61 Prozent aller Teilnehmer kaum bis gar keinen Kontakt zu anderen Menschen haben. Und neue Menschen lernen wir aktuell auch nicht mehr kennen. Das wollten wir ändern und haben daher die Initiative Helden gegen Einsamkeit gegründet.

Jeder kann ein Held gegen die Einsamkeit sein.
 

Innerhalb von nur 72 Stunden – von der Idee bis zur finalen Umsetzung der Plattform in deutsch, englisch, französisch und italienisch – wurde Helden gegen Einsamkeit zusammen mit ein paar fleissigen Helferinnen und Helfer in meinem Team und der LunchLottery GmbH ins Leben gerufen. Hier verbinden wir Menschen, die sich isoliert fühlen – unabhängig von Alter oder Geschlecht per Zufallsprinzip miteinander.

Auch Dank unserer Supporting Partner, wie HITSWEF Global Shapers, dem Impact Hub Zürich, der UBS oder den Swiss Music Awards, hat sich die Plattform schnell etabliert und in den Medien Beachtung gefunden.

Aber noch besser war die Reaktion der anderen Generali-Märkte. Innerhalb von nur einer Woche nach dem Launch in der Schweiz hatte Generali Österreich die Initiative eins-zu-eins übernommen und bereits nach 24 Stunden fast hundert Teilnehmer auf der Plattform. Aktuell gibt es Helden gegen Einsamkeit auch in Deutschland und Frankreich. Dies ist für mich persönlich einzigartig und zeigt, dass COVID-19 nicht nur die Solidarität in meinem nahen Umfeld gestärkt hat, sondern auch länderübergreifendes, agiles Zusammenarbeiten auf ein neues Level anhebt.

Generali Schweiz – vom Tanker zum Schnellboot
 

Oft sagt man Grosskonzernen zu Recht nach, dass sie zu schwerfällig sind. Prozesse sind langwierig und selbst Kleinigkeiten mutieren oftmals zum Kostenmonster in der Umsetzung. Angetrieben durch COVID-19 haben es die Mitarbeiter sehr schnell geschafft, dass in der Generali abteilungs- und sogar länderübergreifend in einem Ausmasse zusammen gearbeitet wird, wie dies normalerweise nur bei Kleinbetrieben und in der agilen Agenturwelt stattfindet. Einfach machen, statt lange zu reden. Einfach gemeinsam Mut haben, statt sämtliche Projekte zu Tode diskutieren.

Herausgekommen ist etwas, was mich persönlich sehr berührt, denn mit der Plattform Helden gegen Einsamkeit verbinden wir Menschen und schaffen gemeinsame positive Momente in einer Zeit der Einsamkeit. Das Engagement der Generali Mitarbeiter macht mich stolz - selbst unser CEO Andreas Krümmel hat bereits selbst telefoniert und vom Zusammentreffen mit spannenden Menschen in seinem internen Firmenblog berichtet. Nachdem ich selbst auch einige Telefonate geführt habe, bin ich enorm überrascht, mit welchen interessanten Menschen ich zufällig zusammengewürfelt worden bin. Jedes Gespräch war wirklich nett – ein paar Gespräche sehr tiefgründig. Spannend war, dass jedes Telefonat mit einem fremden Menschen ungewohnt offen war, was eine direkte Nähe zum Gegenüber aufgebaut hat. Ich habe Menschen auf eine neue Art kennengelernt, die weder Dating noch irgendeinen anderen faden Beigeschmack hatten. Und ich hoffe sehr, ein paar davon nach der Krise persönlich zu treffen.

Was mich auch sehr freute, war, dass sich auch diverse Schweizer Promis auf der Plattform angemeldet haben und fleissig mittelefonieren. Unter anderem sind  SNTM-Host Manuela Frey, Bionic Man Michel Fornasier, Pegasus-Sänger Noah aktive Helden gegen Einsamkeit.

Herzlichen Dank nochmals an alle, die hier mitgeholfen haben und deren Namen ich jetzt nicht genannt habe. Ebenso herzlichen Dank an alle, die sich auf unserer Plattform engagieren. Ohne Euch würde das alles nicht funktionieren. Und mein letzter Dank geht an die Generali Geschäftsleitung, die hier auch direkt mitunterstützt hat und es auch möglich machte, dass unter allen Teilnehmern innerhalb von zwei Tagen eine kostenlose, professionelle Hotline bereitgestellt wurde, sollten Anrufer merken, dass es der anderen Person am Telefon psychisch schlecht geht und ein nettes Telefonat vielleicht nicht mehr ausreicht.

PS:
Links zum Projekt in unterschiedlichen Sprachen: deutsch: https://landingpages.generali.ch/helden, französisch: https://landingpages.generali.ch/heros, italienisch: https://landingpages.generali.ch/eroi, englisch: https://landingpages.generali.ch/heroes


Mike Fuhrmann arbeitet als Chief Marketing, Customer & Communications Officer bei Generali Schweiz. Als solcher ist für ihn laut eigenen Aussagen die Verknüpfung schneller agiler und proaktiver Prozesse mit einem authentischen, service-orientierten Mindset der erfolgreiche Schlüssel zu einem besseren Kundenerlebnis. Er setzt auf Storytelling, um den Menschen mit seinen individuellen Bedürfnissen in den Vordergrund aller Markenaktivitäten zu stellen. Mike Fuhrmann lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Horgen, ZH.

Dieser Text wurde erstmals publiziert auf LinkedIn

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