EDF will Fessenheim schliessen

Das Kernkraftwerk Fessenheim mit seiner Leistung von 900 Megawatt soll Ende 2018 vom Netz gehen. Das hat laut einem Bericht der Pariser Zeitung „Figaro“ der Verwaltungsrat des Betreibers EDF beschlossen. Danach stimmt der Verwaltungsrat einer Entschädigung in Höhe von 446 Millionen Euro durch den Staat zu, von denen 100 Millionen Euro bei der Schliessung fliessen sollen. Die Schliessung wird gleichwohl an Bedingungen geknüpft. So soll der Staat die Baugenehmigung für den Europäischen Druckwasserreaktor im Kernkraftwerk Flamanville in der Normandie verlängern. Diese laufe im April aus, doch dürfte der Reaktor wegen Verzögerungen auf der Baustelle nicht vor Ende 2018 fertiggestellt werden. Ausserdem soll EDF das Recht erhalten, das seit Mai 2015 eingemottete Kernkraftwerk Paluel ebenfalls in der Normandie wieder anlaufen zu lassen.

Umweltschützer wie auch die unmittelbar betroffenen Nachbarn Frankreichs setzen sich seit Jahren für die Schliessung des 1978 eröffneten ältesten Kernkraftwerks des Landes ein. Die Gewerkschaften setzten sich dagegen lange erfolgreich zur Wehr. Auch am Dienstag stimmten ihre Vertreter im Verwaltungsrat gegen die Schliessung. Umweltministerin Ségolène Royal dagegen begrüsste laut dem „Figaro“ die Entscheidung. Diese erlaube neue französisch-deutsche Investitionen in die elsässische Industrie.

Ob Fessenheim tatsächlich in knapp zwei Jahren vom Netz geht, ist allerdings offen. Die Umsetzung des Schliessungsbeschlusses dürfte nicht mehr in der im Mai auslaufenden Amtsperiode der heutigen sozialistischen Regierung fallen. Die Konservativen von Spitzenkandidat François Fillon haben sich nie für die Schliessung Fessenheims eingesetzt. stk