Economiesuisse sieht Schweiz im Zugzwang

02. Juli 2019 15:09

Zürich - Der Schweiz drohen substanzielle Nachteile, wenn sie nicht bald ein Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten abschliessen kann, warnt economiesuisse. Der südamerikanische Staatenblock hat sich Ende Juni auf ein solches Abkommen mit der EU geeinigt.

Die Unternehmen in der EU können mit substanziell niedrigeren Zugangshürden für Exporte in die Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay rechnen. Die EU und der Mercosur-Block haben sich am Freitag am Rande des G20-Gipfels in Osaka auf ein Freihandelsabkommen geeinigt. Das Abkommen muss aber noch von beiden Seiten ratifiziert werden.

Damit wird die Schweiz unter Zugzwang gesetzt, heisst es in einer Stellungnahme von economiesuisse. „Die Schweiz muss nachziehen und so schnell wie möglich ein Abkommen mit dem Mercosur aushandeln, das auch in der Substanz überzeugt“, schreibt der Wirtschaftsdachverband. „Dazu zählt ein möglichst weitgehender Abbau der Handelshürden und ein umfassender Schutz des geistigen Eigentums.“ 

Die Schweiz verhandelt derzeit mit ihren Partnern in der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) – Norwegen, Island und Liechtenstein – mit den Mercosur-Staaten über ein Freihandelsabkommen. Ohne ein solches Abkommen wären Schweizer Unternehmen gegenüber ihren Wettbewerbern aus der EU wohl bald benachteiligt. Die Einfuhrzölle der Mercosur-Staaten reichen bis zu 35 Prozent. Auf Schokolade wird ein Zoll von 20 Prozent erhoben, auf Pharmaprodukte ein Zoll von durchschnittlich 8 Prozent. 

Die Schweizerische Vereinigung für einen starken Agrar- und Lebensmittelsektor dagegen warnt vor einem Schnellschuss. Nur 1,5 Prozent der Schweizer Ausfuhren gingen in die Mercosur-Staaten, so die Interessenvereinigung der Land- und Ernährungswirtschaft. Ein Abkommen würde die Schweizer Bauern und den verarbeitenden Sektor unter Druck setzen. „Der Europäischen Union darf nicht blind gefolgt und ein Freihandelsabkommen mit dem Mercosur nicht um jeden Preis abgeschlossen werden“, heisst es in einer Mitteilung der Organisation. stk

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