Die Illusion von Stabilität

20. April 2020 18:33

In Indien gilt in der Corona-Krise eine Ausgangssperre. Davon ist auch die Schweizer Ex-Managerin Daniela Bomatter betroffen. Für sie zeigt die Situation: Die Vorstellung von Stabilität ist nur eine Illusion – wer sich von ihr freimacht, kann neue Freiheit gewinnen.

von Daniela Bomatter

Ich lebe seit einem halben Jahr in Bangalore. Im Moment in Ausgangssperre. Da ist plötzlich viel Zeit, über die Welt und die Menschen nachzudenken. Ich fühle mich stark verbunden mit einem Gefühl von Unbeständigkeit. Die Welt, unser Leben ist unbeständig, immer. Aber selten sind wir uns dessen so bewusst wie in dieser Zeit von globaler Quarantäne. Ich glaube, dass der Mensch grundsätzlich die Tendenz hat, Stabilität zu suchen. Wir leben in der Illusion, dass es so etwas wie Stabilität gibt, als Endziel, das uns, wenn wir es erreichen, glücklich und erfüllt sein lässt.

Aber ich glaube das ist eine falsche Annahme, Leben ist in Wirklichkeit ständige Veränderung, immer. Leben kann auch immer in der nächsten Sekunde enden oder sich dramatisch wenden. Wenn wir einen Moment inne halten und diese Tatsache tief sinken lassen, dann öffnet sich interessanterweise ein Raum, der sich nicht an einer Stabilität in der Zukunft orientiert, sondern der uns mitten ins Hier und Jetzt stellt und voller noch nicht manifestierter Potentiale ist.

Dies ist der Raum, in dem wir kreativ sein können, aus dem alles Neue fliesst, nicht um etwas zu vollenden, sondern als Ausdruck des ständigen Fliessens und Veränderns der Welt. Aus diesem Raum steigt auch eine Neugier auf, eine Neugierde auf das Neue, Andere, das entstehen will. Es ist ein Ort, in dem alles bereits Gewusste verblasst und Raum macht für neue Erfahrung, neue Erkenntnis und neue Verhalten. Gleichzeitig erlaubt es dieser Raum aber auch, die Realität, in der wir uns befinden, mit viel mehr Bewusstheit wahrzunehmen in all ihrer Komplexität, und er befreit uns von dem Zwang, immer alles in fixe Strukturen zu packen, weil wir damit dann glauben, besser fertig zu werden.

Wenn wir diesen Raum in uns kultivieren, werden wir zu aktiven Agenten der Evolution, wir werden zu bewussten Schöpfern unserer Zukunft, nicht nur unsere persönlichen Zukunft, sondern der Zukunft unserer Welt.

Daniela Bomatter lebt als Aussteigerin in Indien, nachdem sie 40 Jahre eine erfolgreiche Wirtschaftskarriere verfolgte, zuletzt als Geschäftsführerin von EnergieSchweiz. Sie organisiert spirituelle/philosophische Online- und Offline-Events und lanciert gerade „Manifest Nirvana, das erste virtuelle Ashram/Kloster“.

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