Darmflora beeinflusst Alzheimer

16. November 2020 15:19

Genf - Bestimmte Bakterien der Darmflora korrelieren mit der Menge jener Ablagerungen im Gehirn, die typisch für die Alzheimer-Krankheit sind. Eine Studie von Genfer und italienischen Forschenden zeigt, dass Cocktails mit guten Darmbakterien und Präbiotika Risikopatienten helfen könnten.

Von bestimmten Darmbakterien produzierte Proteine hängen mit der Bildung von Amyloid-Plaques im Gehirn zusammen. Diese Ablagerungen gelten als Kennzeichen für die Alzheimer-Krankheit. Das haben laut einer Medienmitteilung jetzt Forschende der Universität Genf und des Genfer Universitätsspitals herausgefunden. Für ihre Studie kooperierten sie mit italienischen Kolleginnen und Kollegen vom Nationalen Forschungs- und Pflegezentrum für Alzheimer und psychiatrische Erkrankungen Fatebenefratelli in Brescia, der Universität Neapel und dem neapolitanischen Forschungszentrum IRCCS.

Frühere Studien hätten bereits gezeigt, dass die Darmflora von Alzheimer-Patienten im Unterschied zu gesunden Menschen eine geringere mikrobielle Vielfalt aufweist. Deshalb haben die Forschenden jetzt bei 89 Personen im Alter von 65 bis 85 Jahren untersucht, ob Entzündungen im Blut als Vermittler zwischen den Darmbakterien und dem Gehirn dienen.

Dieser Nachweis sei nun erbracht worden. „Unsere Ergebnisse sind unbestreitbar: Bestimmte bakterielle Produkte der Darmmikrobiota korrelieren mit der Menge der Amyloid-Plaques im Gehirn“, wird Studienerstautorin Moira Marizzoni vom Fatebenefratelli-Zentrum in der Mitteilung zitiert. Während bei Alzheimer-Patienten eine hohe Konzentration von Lipopolysacchariden und bestimmten kurzkettigen Fettsäuren (Acetat und Valerat) im Blut nachgewiesen wurde, verwies umgekehrt ein hoher Butyrate-Spiegel auf eine geringere Pathologie.

Das Team wird nun daran arbeiten, spezielle Bakterien oder Gruppen von Bakterien zu identifizieren, die an diesem Phänomen beteiligt sind. Präventiv ebnet diese Entdeckung den Weg für potenziell hochinnovative Schutzstrategien, so die Universität Genf. So könnten etwa Bakteriencocktails oder Präbiotika zur Fütterung der „guten Bakterien“ im Darm verabreicht werden. Doch auch diese müssten zunächst noch identifiziert werden. mm

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