Corona verhilft neuen Arbeitsmodellen zum Durchbruch

10. Juni 2020 07:43

Remote-Work ist auch dank Corona in der Schweiz endlich angekommen, sagt Rolf Arni. Gleichzeitig seien viele es leid, nur per Videokonferenz zu kommunizieren. Der Mitgründer des nun wieder geöffneten Impact Hub Bern sieht das Coworking-Modell nachhaltig im Aufschwung.

von Rolf Arni

Vor ziemlich genau vier Jahren gründeten ein paar umtriebige MacherInnen den Impact Hub in Bern. Es ist ein verbindender Ort, ein Schmelzpunkt, an dem Selbständige, Firmen, PolitikerInnen, WissenschaftlerInnen, GymnasiastInnen und UnternehmerInnen zusammentreffen. Mit rund 300 Mitgliedern, täglichen Raumbuchungen und monatlich etwa 30 Events mit insgesamt über 500 Teilnehmenden stellt sich dem Impact Hub Bern die Frage, was nach der Corona-Epidemie davon übrig bleiben wird.

Ja, die Möglichkeiten für die rege genutzten Raumbuchungen und Events vor Ort fielen rasch weg. Zum Glück haben wir eine sehr treue Mitgliederbasis – wobei doch spürbar weniger Neueintritte verzeichnet wurden. Dennoch: Unsere Mitglieder halfen uns mit ihrer Loyalität schon mal über die Runden, wofür wir ihnen sehr dankbar sind.

Kurzarbeit wollten wir nicht einreichen, gab es – Corona hin oder her – viel zu tun. Zusammen mit den anderen Impact Hubs in der Schweiz lancierten wir neue Programme, wie etwa den schweizweiten VersusVirus Hackathon mit rund 4’600 Teilnehmern. In Bern haben wir uns schnell für die Verschiebung des Event-Angebots auf online entschieden, jedoch nach ein paar Wochen bald festgestellt, dass die Leute etwas Zoom-gesättigt waren. Den ganzen Tag im neuen Home Office zig Videokonferenzen abhalten und dann abends noch an einen Video-Event? Schwierig.

Die Homeoffice-Phase verhalf uns – und anderen – vermehrt zu Automatisierung und weitreichender Planung. Remote Work ist endlich in den Köpfen der Schweizerinnen und Schweizer angelangt. Als Vorstandsmitglied des Vereins Digitale Nomaden Schweiz sehe ich in den letzten Jahren ein verstärktes Interesse für neue Arbeitsmodelle und Corona gab diesem Bedürfnis mehr Wind.

Unsere Räumlichkeiten waren während der Corona-Zeit für die Members jederzeit offen –unter Beachtung der gesetzlichen Vorschriften. Genutzt wurde das Angebot von denjenigen, denen das Zuhause auf den Kopf zu fallen begann oder von Firmenangestellten, die eine Split-Regelung oder keinen Platz in ihrem Büro hatten. Stets vor Ort waren auch ein paar unserer treuesten Mitglieder, die trotz strenger Auflagen und reduziertem Hub-Service normal weiterarbeiten wollten und mussten.

Obwohl plötzlich ein grosser Teil unseres Geschäfts weggebrochen war, eröffneten sich gleichzeitig neue Möglichkeiten. Anpassungsfähigkeit und Reaktion auf unsichere Zustände ist schliesslich unser Kernbusiness. Wir leben in einer VUCA-Welt. (Anm.d.Red.: VUCA steht für Volatilität / Volatility, Unsicherheit / Uncertainty, Komplexität / Complexity und Vieldeutigkeit / Ambiguity.)

Jetzt sind wir wieder für die Öffentlichkeit geöffnet. Unser ganzer Space wurde mit den entsprechenden Vorsichtsmassnahmen ausgerüstet und ist somit mehr als ready. Sitzungszimmer sind begehrter denn je, zusätzliche Arbeitsplätze für ihre Mitarbeiter wünscht sich manche Firma. Und nicht zuletzt tut es einfach gut, mal wieder echte Menschen zu sehen, anstatt nur per Video. Das ist es schliesslich, was den Hub ebenso ausmacht.


Rolf Arni ist unter anderem Co-Gründer des Impact Hubs in Bern. Sein Interesse gilt der Automatisierung, Remote Work, Business Creation sowie Fotografie und Musik.

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