Corona: Das können Städte, Gemeinden und Pensionskassen tun

15. April 2020 08:50

Aus der Corona-Krise kann laut Daniel Wiener mit Weitsicht eine zukunftsorientierte Wirtschaft hervorgehen. Der Mitgründer der Denkfabrik ecos sieht dabei eine Chance für Städte und Gemeinden, die Weichen im Sinne der Kreislaufwirtschaft zu stellen.

von Daniel Wiener

Die Corona-Krise führt uns die Abhängigkeit der Schweiz von globalen Waren- und Finanzmärkten vor Augen. Die internationale Arbeitsteilung führt zu Lieferengpässen bei lebens- und gar bei überlebenswichtigen Gütern. Um den ökonomischen Schaden des erzwungenen Stillstands im öffentlichen Leben zu mildern, stehen jetzt wirtschaftliche Notmassnahmen, insbesondere des Bundes, im Vordergrund. Doch die Wirtschaft wird nach Corona – sobald sie sich wieder erholt – nicht mehr dieselbe sein wie vorher. Weil sich die Gesellschaft zurzeit unentrinnbar auf den Wert lokaler Produktion und Nachfrage zurückbesinnt, wird auch die entsprechende Zahlungsbereitschaft wachsen. In der Folge werden sich auch das Gewerbe und der Handel noch stärker und nachhaltiger auf die lokalen Beschaffungs- und Absatzmärkte ausrichten.

Um bei diesem Wandel unser Wohlstandsniveau zu halten, spielt die Kreislaufwirtschaft eine Schlüsselrolle. Sie erlaubt es uns, mit Rohstoffen, auch solchen, die wir importieren müssen, sorgsam umzugehen. Zum Beispiel können seltene Erden, die wir mit alten elektronischen Geräten heute noch entsorgen, wiedergewonnen und in neuen Produkten weiterverwendet werden. Aber auch ganz einfache Kreisläufe wie jene der organischen Haushalts- und Gewerbeabfälle, die wir heute teilweise noch achtlos zur Wärmegewinnung verbrennen, werden in Zukunft über die Herstellung von Kompost geschlossen.

Neue Geschäftsmodelle sind gefragt, die gleich hinter der Corona-Nothilfe dem Aufbau einer neuen, resilienteren Volkswirtschaft dienen. Das ist der Punkt, an dem sich Städte und Gemeinden heute engagieren sollten. Sie wissen um die Hebel, die ihrem lokalen Gewerbe helfen können, Kreisläufe zu schliessen. Die Städte und Gemeinden sind in der Lage, aufgrund von Analysen ihrer Stoffflüsse die wirkungsvollsten Mittel und Wege zu identifizieren, um auf den Pfad der Kreislaufwirtschaft einzuschwenken, beispielsweise mit einem Masterplan Kreislaufwirtschaft. Dieser sollte aber nicht nur Strukturen analysieren und Strategien definieren, sondern von Anfang an auch konkrete, bestehende und neue Geschäftsmodelle des Gewerbes und der Logistik für die Kreislaufwirtschaft identifizieren und fördern.

Zugleich sind Pensionskassen gefordert, ihre Investitionen nicht nur stärker auf Unternehmen und Projekte der Kreislaufwirtschaft auszurichten, sondern Start-ups, die in diesem Bereich tätig sind, mit Risikokapital eine Chance zu geben, in der Schweiz zu bleiben. Es wird ein globaler Wettbewerb um diese Arbeitsplätze der Zukunft entbrennen, und nur ein starker Finanzierungsschub kann die Schweiz als Cleantech-Hub positionieren.

Diese öffentlichen Fördermassnahmen und institutionellen Investitionen tragen gemeinsam dazu bei, direkt anschliessend an die Nothilfe, eine zukunftsorientierte Wirtschaft aus der Corona-Asche auferstehen zu lassen. Aufgrund eines Masterplans Kreislaufwirtschaft können in allen anderen übergeordneten Planungen Schlüsse gezogen werden, um öffentliche Mittel – seien es Gelder oder gesetzliche Fördermassnahmen – noch effizienter für eine Neupositionierung des Gewerbes einzusetzen. Mit der gezielten Förderung von Jungunternehmen im Bereich Kreislaufwirtschaft können daraus produktive Arbeitsplätze entstehen.

Das Ziel muss sein, die Lehren aus der Corona-Krise konkret umzusetzen, indem die lokale Wirtschaft dank geschlossenen Kreisläufen zur Resilienz gegen zukünftige Engpässe einen wesentlichen Beitrag leisten kann. Zugleich wird damit der Umwelt- und Ressourcenschutz gestärkt. So können Städte und Gemeinden die Abhängigkeit ihrer Wirtschaft von internationalen Waren- und Finanzmärkten lockern, die Umwelt wirksam entlasten und die Folgen zukünftiger Krisen für ihre Bevölkerung und das Gewerbe mindern helfen.

Daniel Wiener ist Präsident des Beratungsunternehmens ecos in Basel und der Global Infrastructure Basel Foundation. Letztere setzt sich für die Schaffung nachhaltiger Infrastrukturen in Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländern ein.

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