Cholesterinsenker werden zu häufig verschrieben

Cholesterinsenker, sogenannte Statine, werden oft auch Menschen verschrieben, die nicht unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Dies geschieht etwa, wenn diese Personen gewisse Risikofaktoren aufweisen, die auf einen möglichen Herzinfarkt oder Hirnschlag in den kommenden zehn Jahren hinweisen.

Der Einsatz von Statinen zur Primärprävention wird laut einer Medienmitteilung der Universität Zürich unter Fachleuten kontrovers diskutiert. „Letztendlich wird dadurch nur bei wenigen Personen ein Herzinfarkt oder ein Hirnschlag vermieden“, so Professor Milo Puhan von der Universität Zürich. Aber alle Personen könnten potenziell Nebenwirkungen durch Statine erleiden. Zu Nebenwirkungen zählen etwa Muskelschmerzen, grauer Star, Leberschäden oder Diabetes.

Forscher der Universität Zürich fanden nun im Rahmen einer Studie heraus, dass Statine zur Primärprävention tatsächlich zu oft verschrieben werden. So empfehlen viele medizinische Richtlinien weltweit die Einnahme von cholesterinsenkenden Mitteln zur Prävention schon ab einem Risiko von 7,5 oder 10 Prozent, in den nächsten zehn Jahren einen Herzinfarkt oder Hirnschlag zu erleiden. Dabei schaden die Statine bei so geringem Risiko mehr, als sie nutzen, so die Forscher.

Vor allem für Senioren wurde der Nutzen von Statinen bis jetzt stark überschätzt, stellen die Forscher fest. Laut ihren Berechnungen überwiegt der Nutzen gegenüber den Nebenwirkungen für 70- bis 75-Jährige nur ab einem Risiko von rund 21 Prozent. Bei den Jüngeren mache die Einnahme von Statinen bereits bei einem tieferen Risiko Sinn. Bei den 40- bis 45-jährigen Frauen liegt der Schwellenwert laut den Forschern bei 17 Prozent, bei den Männern bei 14 Prozent. Puhan schätzt, dass durch die neu errechneten Schwellenwerte die Zahl der Menschen, die eine Empfehlung für Statine erhalten, halbiert werden könnte. ssp