BKW-Chefin sieht Versorgungssicherheit gefährdet

03. Juni 2020 12:25

Bern - Suzanne Thoma warnt vor einer kritischen Versorgungssituation mit Strom. Der Ausbau der erneuerbaren Energieproduktion reicht nicht aus, meint die Chefin des Energiekonzerns BKW. Auch Reservekraftwerke wären nötig.

Die Versorgungssicherheit der Schweiz mit Strom macht Suzanne Thoma Sorgen. Die Situation sei vor allem am Ende des Winters kritisch, wenn die Speicherseen leer sind. „Auch ein massiver Zubau von Fotovoltaik könnte dann nur einen geringfügigen Beitrag an die Versorgungssicherheit leisten“, betont die BKW-Chefin in einem Interview mit dem „Tages-Anzeiger“.

Derzeit könne die Schweiz im Winter Strom importieren. „Würden die Importe unterbrochen, könnten wir uns im März noch für etwa 20 Tage mit eigener Produktion aus Grundlastkraftwerken und Speichern versorgen“, so Thoma. „Unter normalen Wetterbedingungen fällt dieser Wert ohne Kernkraft auf nur noch sieben Tage“, fügt sie hinzu.

Thoma wirbt für eine Lösung mit Reservekraftwerken, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Der Bundesrat habe zwar Ausschreibungen für den Ausbau inländischer Produktionskapazitäten vorgeschlagen. Er möchte diese aber auf erneuerbare Energien beschränken, was Reservekraftwerke für die Versorgungssicherheit faktisch ausschliesse.

Derzeit ist die Schweiz nach der Einschätzung von Thoma nicht für eine Strommangellage gerüstet, obwohl der Bund eine solche Lage neben einer Pandemie zu den grössten Gefahren für die Schweiz zählt. Sie betont auch, dass die Stromnachfrage mit der Zunahme der Elektromobilität in den kommenden Jahren weiter ansteigen wird. ssp

Mehr zu Energie

Aktuelles im Firmenwiki