BIZ-Chef sieht keine Währungsmanipulation in der Schweiz

12. Oktober 2020 09:42

Basel - Agustín Carstens, Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), sieht die derzeitige Schwächung des Frankens nicht als eine Währungsmanipulation an. Die Schweizerische Nationalbank verfolge damit eine  defensive Massnahme. Bezüglich der Facebook-Währung Libra sieht er noch viele offene Fragen.

Agustín Carstens, Generaldirektor der BIZ, verteidigt die Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Die Schweiz sei kein Manipulator ihrer eigenen Währung, sagt er in einem Interview mit der „Neuen Zürcher Zeitung“. Die SNB verfolge kein Wechselkursziel. „Die Nachfrage nach Schweizer Franken ist ein Nebeneffekt der weltweit sehr lockeren Geldpolitik“, so Carstens. Die Schweizer Wirtschaft habe nicht die Kapazität alle Zuflüsse zu absorbieren. Daher stemme sich die SNB dagegen. „Bei den Devisenkäufen handelt es sich um eine defensive Massnahme“, betont er. Die SNB wende damit einen enormen Schaden der Schweizer Wirtschaft ab.

Carstens äussert sich im Interview auch zur potenziellen digitalen Facebook-Währung Libra.  Zusammen mit anderen digitalen Währungen sei diese zwar ein „Weckruf für die Notenbanken“, sich mehr Gedanken über moderne Zahlungssysteme zu machen. Allerdings sei Libra „mit Blick auf die Funktionen von Geld als Wertaufbewahrungsmittel, Tauschmittel und Recheneinheit suboptimal“, so Carstens. Nationale Währungen würden diese Funktion besser erfüllen. Insgesamt sieht Carstens noch viele ungelöste Fragen bei Libra. Daher komme die Währung auch nicht vorwärts. Wettbewerb sei aber dennoch wichtig – „vor allem bei der Verwendung von Geld, mit dem Ziel, Transaktionen im In- und Ausland zu vereinfachen“, fügt er hinzu. Hier könnten Projekte wie Libra seiner Ansicht nach viel bewirken. „Ich sehe das Projekt daher als eine öffentlich-private Partnerschaft“, sagt er. ssp

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