Bern besteuert bei Start-ups nur Mittelzufluss

Der Unterschied zwischen den Modellen von Zürich und Bern liegt darin, dass in Zürich bei der Vermögenssteuer die Hoffnung auf zukünftige Gewinne, in Bern dagegen nur der konkrete Zufluss an Substanzwert besteuert wird. So erläutert es zumindest Bruno Knüsel, Steuerverwalter des Kantons Bern, in einem Interview auf dem Blog startwerk.ch des Instituts für Jungunternehmen (IFJ). Erst wenn das Jungunternehmen Gewinn erzielt, werden auch die Erträge versteuert. Die für das Züricher Modell ausschlaggebenden Finanzierungsrunden werden dagegen nur im Hinblick auf den Kapitalzuwachs des Unternehmens berücksichtigt.

Grundlage der Berner Vermögensbesteuerung, unabhängig davon, ob es sich dabei um ein Jungunternehmen, ein KMU oder ein anderes Unternehmen handelt, sind die geldwerten Leistungen, die dem Unternehmen im Berechnungszeitraum zugeflossen sind. Solange dies von Gesetzgeber nicht verlangt wird, sieht man in Bern keinen Grund, von der eigenen Steuerpraxis abzuweichen.

Der Berner Ansatz wird im Interview auch von einem Praktiker unterstützt. Investoren finanzieren Start-ups in der Hoffnung, dass diese vielleicht über Jahre hinweg in der Verlustzone agierenden Jungunternehmen irgendwann einmal kräftige Gewinne abwerfen. „Wenn der Fiskus die Ernte besteuert, die noch gar nicht eingefahren ist, behindert er Innovation und hemmt Gründer- und Pioniergeist“, argumentiert Beat Brechbühl, Wirtschaftsanwalt bei Kellerhals Carrad, Start-up-Förderer und Vizepräsident der be-advance AG. hs