Bakterien zerlegen giftige Chemikalien

17. Juni 2021 14:10

Dübendorf ZH - Rückstände längst verbotener Chemikalien verunreinigen weiter die Umwelt. Bereits vor Jahrzehnten haben Wissenschaftler Bakterien entdeckt, die eine Reihe solcher Chemikalien zerlegen können. Zürcher Forscher haben die von ihnen produzierten Enzyme für andere Schadstoffe modifiziert.

Der Umgang mit langlebigen Umweltgiften ist seit 2004 im Stockholmer Abkommen geregelt. Stoffe wie das Insektizid Lindan oder das Flammschutzmittel Hexabromocyclodekan (HBCD) sind in der Schweiz bereits seit Jahren verboten. In der Umwelt kommen sie fein verteilt trotzdem noch in Luft, Wasser und Boden vor, erläutert die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) in einer Mitteilung. Ihr zufolge hat der WWF 2004 Lindan und HBCD in Blutproben von 14 europäischen Ministern nachgewiesen.

Anfang der 1990er haben Forscher in Frankreich, Japan und Indien Bakterienstämme entdeckt, die Lindan verzehren können, wird in der Mitteilung weiter erläutert. Die von den Sphingobium genannten Bakterien produzierten Enzyme spalten das Schadstoffmolekül und geben die Bruchstücke anschliessend wieder frei. Forscher der Empa, des Wasserforschungsinstituts Eawag, der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und zweier indischer Forschungsinstitute haben untersucht, ob sich die von den Sphingobium-Stämmen produzierten Enzyme für die Zerlegung anderer Moleküle modifizieren lassen.

Dazu hätten die Forscher die Gene des indischen Sphingobium-Stamms modifiziert, heisst es in der Mitteilung. Ein aus einem genetisch veränderten Bakterienstamm gewonnenes Enzym wurde dahingehend angepasst, dass die grösseren HBCD-Moleküle besser zerlegt werden können. „Damit haben wir nun tatsächlich eine Chance, diese von der Menschheit produzierten und grossflächig verteilten, langlebigen Gifte mit biologischen Methoden unschädlich zu machen“, wird Empa-Forscher Norbert Heeb in der Mitteilung zitiert. hs

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