Auch erneuerbare Energie hat ihre Grenzen

12. Mai 2021 10:36

St.Gallen - Forschende der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt kommen in einer Studie zu dem Schluss, dass Sonnenenergie die effizienteste erneuerbare Energie für das globale Ökosystem ist. Sie steht ausreichend zur Verfügung, ohne dem Planeten zu viel Energie zu entziehen. Grundsätzlich sind aber auch Erneuerbare begrenzt.

Ein Team der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) um den Wissenschaftler Harald Desing aus der Abteilung Technologie und Gesellschaft hat untersucht, wo die Obergrenze der Erde für eine nachhaltige Nutzung von erneuerbaren Energien liegt. Denn auch das Abzweigen erneuerbarer Energieströme verändere das Klima und habe seine Grenzen. Den Forschenden zufolge können nur 0,04 Prozent der auf die Erde eintreffenden Energie technisch genutzt werden. Die restlichen 99,96 Prozent benötige der Planet für den Antrieb des Erdsystems und der Nahrungsmittelproduktion. Das Potenzial von 0,04 Prozent reiche jedoch aus und liege um das Zehnfache über dem heutigen globalen Energiebedarf, heisst es in einer Medienmitteilung.

Die Forschenden schlussfolgern, dass Sonnenergie zu bevorzugen ist. Dafür spreche, dass fast alle erneuerbaren Energieressourcen – auch Wind- und Wasserkraft sowie die Biomasseproduktion – letztlich durch Sonne angetrieben würden. Energiepotenziale aus Wind und Biomasse seien zudem um Grössenordnungen kleiner als die direkte Nutzung der Sonne – und zum Teil bereits überstrapaziert. Elektrische Energie aus Sonnenstrahlung sei demzufolge eine Universalwährung. 

Daraus ableitend empfehlen sie, weltweit alle bereits bebauten Oberflächen, beispielsweise auf Gebäudedächern und Fassaden, aber auch auf Strassen, Schienenwegen und Parkplätzen zu nutzen. Diese Fläche würde ausreichen, um eine globale 2000-Watt-Gesellschaft zu versorgen.

Würden alle Staaten der Erde auf dem Niveau der Schweiz leben und ihren Energiebedarf auf den des heutigen Schweizer Pro-Kopf-Bedarfs anheben wollen, so müssten zusätzlich Wüstenflächen mitgenutzt werden, heisst es in der Medienmitteilung. 

Aktuell gehe das Forschungsteam der Frage nach, wie der Weg zur solaren Gesellschaft aussehen könnte. Das solare Energiesystem müsse nicht nur gross genug sein, um den globalen Bedarf decken zu können. Es müsse auch schnell genug das fossile System ersetzen können, um die Klimakatastrophe rechtzeitig abwenden zu können. ko

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