Auch dezentrale Energieversorgung ist bezahlbar

17. August 2020 11:53

Zürich/Potsdam - Ein schweizerisch-deutsches Team unter Beteiligung der ETH Zürich hat Kosten und Machbarkeit grosser und kleiner Stromversorgungsnetze untersucht. Die Forschenden wiesen nach, dass kleinere Lösungen nur wenig teurer sind als kontinentale. Entscheidend ist die Infrastruktur.

Wie grüner Strom für Europa produziert und verteilt wird, ist weniger eine Frage der Kosten als der Infrastruktur. Das hat ein Forscherteam der Professur für Klimapolitik (Climate Policy Group, CP) an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) gemeinsam mit Kollegen des Potsdamer Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) nun in einer Machbarkeitsstudie nachgewiesen. Sie wurde jetzt in der Fachzeitschrift „Joule“ online veröffentlicht.

Will Europa bis 2050 ein klimaneutraler Kontinent werden, muss der Strom weitgehend aus erneuerbaren Energien stammen. Daher müsse für eine schnelle Energiewende nach Empfehlung der Zürcher und Potsdamer Autoren bald geklärt werden, ob die Stromversorgung kontinental, national oder regional erfolgen soll.

Als preisgünstigste Lösung gelte, die Energieproduktion an den geeignetsten Standorten des Kontinents zu konzentrieren, heisst es in einem Artikel der ETH, der auf einer Medienmitteilung des IASS Potsdam beruht. Allerdings favorisierten viele Bürgerinnen und Bürger Strom aus kleineren Versorgungseinheiten, der in ihrer Nähe erzeugt wird. „Befürworter eines kontinentalen Systems argumentieren mit niedrigen Kosten, guten Ausgleichsmöglichkeiten für Fluktuationen und effizienter Nutzung der Ressourcen unabhängig von ihrem Ort“, erläutert Leitautor Tim Tröndle, der an der ETH und am IASS zu dieser Frage doktorierte. Das sei zwar nicht von der Hand zu weisen, doch sei die Energiewende auch stark von politischen Interessen und Bürgerbeteiligung geprägt.

In ihren Modellrechnungen wiesen die Forschenden nach, dass die Mehrkosten eines kleinteiligen Systems unter 20 Prozent liegen, solange Länder und Regionen das Übertragungsnetz nutzten, um ihre lokale Versorgung zu gewährleisten. „Statt Wind- und Solaranlagen zu drosseln oder überschüssigen Strom teuer zu speichern, können sie diesen an ihre Nachbarn weiterleiten, bei denen es gerade bedeckt und windstill ist.“

Wo der Strom erzeugt wird, hat also laut der Studie nur wenig Einfluss auf die Kosten einer vollständigen Stromversorgung aus erneuerbaren Energien. Doch definiere der Standort massgeblich die Infrastruktur. Grundsätzlich machbar seien mehrere Lösungen. mm

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