Antidepressiva sind gegen Krebs wirksam

28. September 2021 12:30

Zürich - Forschende von Universität und Universitätsspital Zürich haben entdeckt, dass klassische Antidepressiva das Krebswachstum in Mäusen verlangsamen. In Kombination mit einer Immuntherapie stoppten sie es langfristig, Tumore verschwanden sogar komplett. Jetzt sollen die Resultate am Menschen geprüft werden.

Bereits zugelassene klassische Antidepressiva können helfen, die Therapie von bisher unheilbarem Bauchspeicheldrüsen- und Darmkrebs zu verbessern. Dies stellt Pierre-Alain Clavien, Direktor der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie am Universitätsspital Zürich (USZ), in einer Medienmitteilung der Universität Zürich (UZH) in Aussicht. Demnach haben Forschende von UZH und USZ gemeinsam herausgefunden, dass Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) oder andere Medikamente, die die Konzentration von Serotonin in den Blutplättchen senken, bei der Bekämpfung von Krebs eingesetzt werden können.

Trotz neuer und wirksamer Behandlungen sterben noch immer die meisten Patientinnen und Patienten mit Unterleibstumoren in fortgeschrittenem Stadium innerhalb weniger Jahre nach der Diagnose. Als Problem beschreibt die Mitteilung den Umstand, dass die Tumorzellen mit der Zeit gegen die Behandlung resistent werden. Sie werden vom Immunsystem nicht mehr erkannt.

Dabei nutzen Tumorzellen Serotonin zur Produktion eines zentralen Moleküls der Krebsentwicklung, PD-L1. Es bindet an Killer-T-Zellen und macht sie funktionsunfähig. So werden die Krebszellen von dieser Immunabwehr nicht angegriffen. In Experimenten mit Mäusen konnten die Forschenden zeigen, dass SSRI oder periphere Serotonin-Synthesehemmer diesen Mechanismus unterbinden. Abwehrzellen erkennen die Tumorzellen wieder und eliminieren sie effizient.

In einem weiteren Schritt fügte die Gruppe in Mäusen zusätzlich eine Immuntherapie hinzu, die die Aktivität der Killer-T-Zellen steigert. Die Resultate seien eindrücklich: Das Krebswachstum wurde in den Tiermodellen langfristig unterbunden, und bei einigen Tieren verschwand der Tumor komplett.

„Unsere Resultate geben Anlass zur Hoffnung für Krebspatienten, da die verwendeten Medikamente bereits für den klinischen Einsatz zugelassen sind“, wird Clavien zitiert. Deshalb sollte es „relativ rasch möglich sein, solche neuartigen Medikamentenkombinationen in einer klinischen Studie am Menschen zu prüfen“. mm

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