AKW-Betreiber erwarten geringere Kosten für Stilllegung

01. Oktober 2021 14:18

Olten - Die Kosten für die Stilllegung und Entsorgung der Schweizer Atomkraftwerke (AKW) betragen nach Ansicht der Betreiber 23,1 Milliarden Franken. Vor fünf Jahren gingen sie noch von 24,2 Milliarden aus. Die Erfahrungen der Stilllegung des AKW Mühleberg helfen, die Kosten zu senken.

Die Stilllegung und Entsorgung der Schweizer Kernanlagen wird teuer, aber nicht so teuer wie bisher erwartet. Das geht aus einer Studie von Swissnuclear hervor, dem Banchenverband der Betreiberunternehmen. Laut einer Mitteilung rechnet Swissnuclear noch mit Gesamtkosten von 23,083 Milliarden Franken. In einer ähnlichen Studie vor fünf Jahren ging der Verband noch von 24,2 Milliarden Franken aus.

Laut der Studie liegen sowohl die Stilllegungs- als auch die Entsorgungskosten niedriger als bisher angenommen. Danach kostet die Stilllegung noch 3,666 Milliarden Franken, 3 Prozent weniger als vor fünf Jahren angenommen. Möglich wird dies, weil gemäss den Erfahrungen der Stilllegung des AKW Mühleberg die Arbeiten zum Nachbetrieb und die zur Stilllegung parallel ausgeführt werden können. Die Entsorgung kostet neu 19,417 Milliarden Franken, 5 Prozent weniger als bisher angenommen. Möglich wird dies durch eine Optimierung der Bauwerke.

Laut Swissnuclear haben die Betreiber bereits 7,5 Milliarden Franken in den entsprechenden Fonds zur Stilllegung und Entsorgung eingezahlt, weitere 8,9 Milliarden seien sichergestellt. Zudem könnten 4,9 Milliarden Franken an Kapitalerträgen aus dem Fonds erwartet werden. Damit fehlten nur noch 0,9 Milliarden Franken, die von den Betreibern an Beitragszahlungen aufzubringen seien.

Die Ergebnisse der Studie werden nun durch das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat und die Gremien des Stilllegungs- und Entsorgungsfonds geprüft. Diese legen dann die weiteren Beiträge der Betreiber fest.

Kernkraftkritiker sehen in der Studie einen Versuch, die Entsorgungskosten auf die Allgemeinheit abzuwälzen. Die Kostenschätzungen seien zu optimistisch, schreibt die Schweizerische Energie-Stiftung (SES) in einer Medienmitteilung. Unerwartete Ereignisse würden nicht berücksichtigt, auch nicht die Kosten für die Beobachtung der Endlager nach dem Verschluss. „Würden diese Risiken verursachergerecht berücksichtigt, müssten die Kosten deutlich ansteigen anstatt zu sinken“, wird SES-Geschäftsleiter Nils Epprecht in der Mitteilung zitiert. stk

Mehr zu Energie

Aktuelles im Firmenwiki