Ablasshandel rettet das Klima nicht

18. Juni 2020 08:03

Es gibt eine günstige, global realisierbare Methode, CO2 aus der Luft zu binden und dauerhaft in Materialien und im Boden zu speichern, schreibt Hans-Peter Schmidt. Doch statt die Pyrolyse von nachhaltig erzeugter Biomassen zu fördern, subventionieren die Staaten fossile Treibstoffe und klimaschädliche Landwirtschaft. 

von Hans-Peter Schmidt

1517 hat Martin Luther 95 Thesen gegen den Ablasshandel veröffentlicht und damit der päpstlichen Kirche ein sagenhaftes Geschäft verdorben. 2020 produziert der durchschnittliche Europäer 10 Tonnen eines Gases, welches das Klima auf Erden über zehntausende Jahre verändern wird. Um der Industrie, der Landwirtschaft und dem Konsum nicht die Laune durch Schuldgefühle zu verderben, gibt es wieder einen Ablasshandel. Um weiter grossspurig Treibhausgase in die Atmosphäre zu blasen, spendiert man hungerleidenden Afrikanern billige Blechkocher, die deren Emissionen beim Kochen am offenen Feuer um fast die Hälfte reduzieren. Oder sie bezahlen mit jedem Klick auf eine Suchmaschine das Pflanzen des 80. Teils eines Baumes. Natürlich, solcher guter Wille und Geld helfen, aber wir können das Klima nicht mit Tropfen auf heisse Steine retten. 

Ohne die Anlage von veritablen Kohlenstoffsenken, die dauerhaft Kohlenstoff speichern, der aktiv aus der Atmosphäre entzogen worden ist, lässt sich das Klima und damit die Menschheit nicht retten. 

Eine der wichtigsten Technologien auf diesem Weg in die klimaneutrale Zukunft ist die Pyrolyse von Biomassen, die in Ergänzung zur Nahrungsmittelproduktion mit hoher Biodiversität CO2 aus der Atmosphäre entzieht. Doch obwohl die Regierungen keine Skrupel kennen, den Klimawandel mit direkten und indirekten Subventionen für fossile Brennstoffe, intensive Tierhaltung und konventionelle Landwirtschaft zu fördern, finden sie mit fadenscheinigen Argumenten, dass die einzige schnell umsetzbare Technologie, die zudem frei von schädlichen Nebenwirkungen ist, dem Volk, dem Boden und dem Klima keinen Nutzen bringen könne. 

Wir können uns nicht freikaufen von unserem Lebensstil und unserem Erbe. Es gibt keinen Zinseszins auf die Schuld, die wir unbewusst auf uns geladen haben. Aber wir können den Mut fassen, vorurteilsfrei das Neue zu durchdenken, das das Genie des Menschen uns zur Rettung in die Hand und auf die Zunge legt.    

Hans-Peter Schmidt ist Gründer und CEO des Ithaka-Instituts in Arbaz VS. Er ist einer der Pioniere der Nutzung von Pflanzenkohle für die Eindämmung des Klimawandels.

Aktuelles im Firmenwiki