Warum Klimapolitik drei Dividenden braucht

02 März 2026 14:57

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Klimapolitik muss marktwirtschaftlich und ökonomisch sinnvoll sein. Laut der Finanzwissenschaftlerin Tanja Kirn von der Universität Liechtenstein muss die Last aber auch gerecht verteilt werden. Dieser Aspekt ist für eine Mehrheitsfähigkeit der Klimapolitik entscheidend, schreibt sie.

2025 war das drittwärmste Jahr seit Beginn der Messungen. Und erstmals lagen die Jahre 2023–2025 im Durchschnitt über +1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau – jener Leitplanke, die das Pariser Abkommen als kritisch markiert. Natürliche Faktoren wie El Niño haben die Temperaturen zusätzlich um etwa 0,1 Grad erhöht, aber der massgebliche Treiber sind steigende Konzentrationen von CO2, Methan und anderen Treibhausgasen. 


1. Emissionen reduzieren, wo die Kosten gering sind

Der Befund ist eindeutig: Klimapolitik muss wirksam und effizient sein. Die erste Dividende ergibt sich aus der marktwirtschaftlichen Logik. Liechtenstein ist über das Emissionshandelsgesetz an das europäische Emissionshandelssystem angebunden. Ein grosser Markt mit einheitlichem Preis sorgt dafür, dass Emissionen dort reduziert werden, wo die Kosten am niedrigsten sind. Das schützt die Industrie vor Wettbewerbsnachteilen und vermeidet nationale Insellösungen.


2. CO2-Einnahmen gegen Verzerrung nutzen

Doch Effizienz allein reicht nicht. Die zweite Dividende ist ökonomischer Natur: CO2-Einnahmen sollten genutzt werden, um verzerrende Abgaben – etwa auf Arbeit – zu senken. Liechtenstein erstattet den Teil der Einnahmen aus der CO2-Abgabe, der von Unternehmen geleistet wurde, über die ALV-relevante Lohnsumme an die Unternehmen zurück. Das senkt die Arbeitskosten und stärkt den Standort – ein rationaler Einsatz der Mittel.


3. Massnahmen für eine gerecht verteilte Last

Bleibt die dritte Dividende. CO2-Preise wirken regressiv. Haushalte mit tiefem Einkommen, Ölheizung oder hohem Pendelbedarf tragen eine überproportionale Last. Wer Klimapolitik politisch tragfähig halten will, muss diese Verteilungswirkungen adressieren: durch zielgerichtete Unterstützung, Sanierungsförderung und einen sozial austarierten Übergang. Ohne diese dritte Dividende verliert die Klimapolitik ihre Mehrheitsfähigkeit. 

Hier setzt unsere Forschung an: Gemeinsam mit der Universität Freiburg und LISER untersuchen wir im Rahmen eines Erasmus+-Projekts die Belastungsprofile verschiedener Haushaltstypen – und wie Klimapolitik zugleich wirksam, effizient und fair gestaltet werden kann.


(Diese Forschung wurde durch das Erasmus+-Programm der Europäischen Union – ecoMOD-Projekt, Projektnummer: 2023-1-LI01-KA220-HED-000157594 – sowie durch den Forschungsförderungsfonds (FFF) der Universität Liechtenstein unterstützt. Die Autorin dankt diesen Organisationen herzlich für ihre grosszügige Unterstützung.)

 

Tanja Kirn ist Finanzwissenschaflterin und als solche Leiterin des Center für Volkswirtschaftslehre der Universität Liechtenstein sowie Assistenzprofessorin an der Liechtenstein Business School. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf den Gebieten der Mikrosimulation, Steuerpolitik und des Föderalismus. Sie hat mehrere Mikrosimulationsmodelle entwickelt, mit Hilfe derer die Aufkommens- und Verteilungswirkungen der Steuer- und Sozialpolitik Liechtensteins quantifiziert werden können. Vor ihrer Tätigkeit an der Universität Liechtenstein arbeitete sie an der Universität Potsdam und am DIW Berlin


Der Text ist zunächst in Wirtschaftregional und im Denkraum-Blog der Universität Liechtenstein erschienen. 

 

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