Nachhaltigkeit ist tot – wahr oder falsch?
25 Februar 2026 08:24
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Hier sind fünf Thesen, die auch Sie sicher schon oft diskutiert haben:
- ESG und Nachhaltigkeit sind Synonyme.
- Nachhaltigkeit beginnt und endet mit der Reduzierung von CO2-Emissionen.
- Nachhaltige Geschäftspraktiken können profitabel sein.
- Um profitabel zu sein, müssen die zusätzlichen Kosten eines nachhaltigen Produkts an die Verbraucher weitergegeben werden.
- Da Klimaziele aufgegeben werden und ESG-Fonds Vermögen verlieren, ist unternehmerische Nachhaltigkeit Vergangenheit.
Wahr oder falsch?
1. ESG und Nachhaltigkeit sind Synonyme.
Falsch.
ESG ist ein Rahmenwerk für Investierende, um „Outside-in“-Risiken zu bewerten. Es stellt die Frage: Welche Umwelt-, Sozial- oder Governance-Themen könnten unsere finanzielle Leistung beeinflussen? Damit ist es zwar bedeutend, aber eng gefasst. Nachhaltigkeit hingegen ist „Inside-out“-Wertschöpfung. Sie fragt: Wo hinterlassen wir den grössten Einfluss auf Menschen und den Planeten? Wie können wir das in langfristigen Wert umwandeln? Sie ist breiter angelegt, chancenorientiert und in Strategie, Innovation und Zielen verankert. Es geht nicht darum, Risiken zu vermeiden – es geht darum, Wert zu schaffen.
2. Nachhaltigkeit beginnt und endet mit der Reduzierung von CO2-Emissionen.
Falsch.
Die Reduzierung von CO2 ist für alle Unternehmen entscheidend, aber echte Nachhaltigkeit erfordert eine breitere Perspektive: die Gesundheit des Planeten, soziale Gerechtigkeit und Engagement auf Strategieebene.
3. Nachhaltige Geschäftspraktiken können profitabel sein.
Richtig.
Tatsächlich ist wirklich nachhaltiges Wirtschaften per Definition profitabel. Da die Erträge aus erneuerbaren Energien, Kreislaufwirtschaft und regenerativer Landwirtschaft jedoch typischerweise über drei bis zehn Jahre anfallen, spiegeln sie sich oft nicht in einer 90-Tage-Ergebnis-Kultur wider; daher wird solcher zukünftiger Wert abgewertet – bis es zu spät ist.
4. Um profitabel zu sein, müssen die zusätzlichen Kosten eines nachhaltigen Produkts an die Verbrauchenden weitergegeben werden.
Falsch.
Dies ist einer der hartnäckigsten Mythen über „grüne Produkte“. In den meisten Fällen ist Nachhaltigkeit jedoch nicht das Problem. Grüne Produkte, die unterdurchschnittlich abschneiden oder die Verbraucher übermässig belasten, werden keinen Erfolg haben. Sie sind oft teurer in der Herstellung, aber das bedeutet nicht, dass Unternehmen alle Mehrkosten an die Verbraucher weitergeben können. Stattdessen kann eine einfache Umstellung von einem relativen zu einem festen Margensystem, wie in diesem Kearney-Artikel gezeigt, helfen, das Problem zu lösen.
5. Da Klimaziele aufgegeben werden und ESG-Fonds Vermögen verlieren, ist unternehmerische Nachhaltigkeit Vergangenheit.
Falsch.
Ja, Klimaziele werden aufgegeben, ESG-Fonds verlieren Vermögen und KI dominiert alle Schlagzeilen, während Nachhaltigkeit auf eine Kombination aus Gegenwind, Ermüdung und Langeweile stösst. Aber Veränderung entwickelt sich selten linear. Tatsächlich durchlaufen wir gerade mehrere S-Kurven schnellen Fortschritts: Erneuerbare Energien sind günstiger als fossile Brennstoffe, Elektrofahrzeuge haben sich in Europa und China vom Nischenprodukt zum Mainstream entwickelt. Wärmepumpen, alternative Proteine, regenerative Landwirtschaft und Kreislaufwirtschaftsmodelle skalieren schnell und beginnen, unsere Art der Produktion und des Konsums zu revolutionieren – von Reparatur und Wiederverwendung bis hin zu Product-as-a-Service.
… in der Konsequenz …
Unternehmerische Nachhaltigkeit ist alles andere als tot; sie ist ein strategischer Hebel für Wertschöpfung, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit. Wer von Klimazielen Abstand nimmt, hat nicht ein Problem mit Nachhaltigkeit – sondern ein Problem, sein Unternehmen zukunftssicher zu machen.
Julia Katharina Binder ist Professorin für Business Transformation am Institute for Management Development (IMD). Als Direktorin des IMD Center for Sustainable and Inclusive Business nutzt Binder die IMD-Expertise zu Nachhaltigkeitsthemen, um Führungskräfte zu unterstützen. Am IMD ist Binder Programmleiterin für Creating Value in the Circular Economy und lehrt in offenen Programmen, darunter Transition to Business Leadership (TBL) und Leading Sustainable Business Transformation (LSBT).
Dieser Text ist zuerst über IMD-Kanäle erschienen.