Mehrsprachigkeit ist ein Trumpf der Schweiz in unruhiger Zeit
25 Februar 2026 12:47
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Die Welt ist vielfältiger geworden, seit sich einige grosse Mächte nicht mehr an die Regeln halten, die während drei Jahrzehnten fast weltweit gegolten haben. An die Stelle der einen ziemlich globalisierten Wirtschaftsordnung ist eine neue Ungewissheit getreten, wo welche Regeln gelten. Bisher können Schweizer Unternehmen ziemlich gut mit dieser Ungewissheit umgehen. Sie stellen sich auf die neue Vielfalt ein, suchen neue Märkte und neue Lieferanten.
Diese neue Vielfalt betrifft auch die Sprache. Das globale Englisch wird nicht verschwinden. Für einen Einstieg in die Kommunikation ist es noch gut genug. Aber es wird nicht mehr ausreichen. So wie Mangas und K-Pop die japanische und die koreanische Sprachen in die Jugendkultur getragen haben, so können neue Trends auch neue Sprachen in die Wirtschaft bringen. Denn Kultur prägt Wirtschaft.
Das hat gleich zwei Folgen für Sie.
Zum einen: Seien Sie stolz auf Ihre eigene Sprache, gleichgültig, welche. Denn alles, was Sie in Ihrem Leben geleistet haben, das haben Sie auch dank der Kultur und den Werten und den Ideen geleistet, die Sie mit Ihrer Sprache aufgesogen haben. Wenn Sie sich selber oder Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung irgendwo in der Welt in einem globalisierten Englisch anbieten wollen, dann vergeben Sie sich einen Ihrer wichtigsten Startvorteile.
Zum anderen: Pflegen Sie Ihre Mehrsprachigkeit. Sie sind womöglich mehrsprachiger, als Sie es selbst wahrnehmen – Sie mögen sich an den steten Wechsel zwischen Mundart und Hochdeutsch, zwischen Deutsch und Englisch, Mundart und Französisch oder Italienisch, an die vielen Sprachen im Alltag gewöhnt haben.
Mehrsprachigkeit ist ein Standortvorteil der Schweiz. Das Land hat eine starke Sprachkultur hervorgebracht. Hier können alle ihre Sprachen pflegen, alle können sich irgendwie miteinander verständigen. Mehrsprachigkeit ist hier nicht nur Alltag, sondern auch institutionalisiert. Das trifft besonders stark auf die zwei- und dreisprachigen Kantone zu – Bern, Freiburg, Graubünden, Wallis. Das trifft auf das Bildungssystem zu mit ihrer Betonung des Sprachaustausches. Und das trifft auch auf viele Unternehmen zu, die ihre eigene sprachliche Vielfalt regeln müssen.
Mehrsprachigkeit wird manchmal als Belastung angesehen, etwa, wenn über die Zahl der Fremdsprachen in der Primarschule diskutiert wird. Aber Mehrsprachigkeit ist vor allem ein Trumpf, der auch lange nach der eigenen Schulzeit ausgespielt werden sollte. Das gilt gerade in der Wirtschaft, in der ständig neue Ideen, Produkte, Dienstleistungen und Partner gebraucht werden. Wer sich hier in bequeme Einsprachigkeit zurückzieht, der hat schon verloren.
Das gilt erst recht in Zeiten der Künstlichen Intelligenz und ihrem Versprechen omnipräsenter Sofortübersetzungen: Künstliche Intelligenz basiert auf dem Zugriff auf den Sprachgebrauch Anderer; sie setzt diejenigen Worte neu zusammen, die sie irgendwo da draussen im Netz gefunden hat. Wollen Sie sich für die Kommunikation Ihrer Ideen, Ihrer Produkte und Ihrer Dienstleistungen wirklich auf die Worte Anderer verlassen? Oder wollen Sie nicht doch lieber für sich selbst sprechen, auch in einer anderen Sprache?
Mehrsprachigkeit und Vielfalt: Sie sind ein Trumpf der Schweiz, und dieser Trumpf muss gepflegt werden. Und dafür muss man die anderen Akteure kennen, auch über die jeweilige Sprachgrenze hinaus.
Die Nachrichtenagentur Café Europe lanciert deshalb mit dem Forum Zweisprachigkeit, dem SVC, dem SAQ und anderen Partnern eine Art nachrichtliches Scharnier zunächst zwischen der Deutsch- und der Westschweiz. Der bisherige Newsticker mit Nachrichten über SVC-Finalisten auf Deutsch wurde schon 2025 durch einen Ticker auf Französisch ergänzt. Die bisherigen deutschsprachigen Newsletter des SVC und des SAQ mit Nachrichten über ihre Themen werden nun durch Newsletter auf Französisch komplettiert.
Nachrichten, Newsticker und Newsletter in den beiden grössten Landessprachen sollen die Kenntnis über die Akteure in Wirtschaft und Forschung im jeweiligen anderen Landesteil stärken. Ihre Nachrichten dienen als Einladung zur Vernetzung über die Sprachgrenze hinweg. Weitere Newsletter auf Französisch für andere Partner werden folgen - dieses „Nachrichtenscharnier“ ist offen für andere.
Die Welt ist vielfältiger geworden. Schweizerinnen und Schweizer sind auf diese Vielfalt auch dank der Mehrsprachigkeit des Landes gut vorbereitet. Lassen Sie uns diese Stärke pflegen
Die Anmeldung zum SVC-Newsletter auf Französisch ist hier möglich, die zum SAQ-Newsletter auf Französisch hier.
Steffen Klatt ist Gründer und Geschäftsführer der Nachrichtenagentur Café Europe in Winterthur, die auch die Nachrichtenplattform punkt4.info betreibt, sowie Autor mehrerer Bücher. Im Verlag Zytglogge in Basel erscheint im April „Warum die Schweiz so reich ist. Und warum nicht alle etwas davon haben“.