Globale Zusammenarbeit nimmt laut Weltwirtschaftsforum neue Formen an

09 Januar 2026 11:19

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Cologny GE - Die globale Zusammenarbeit zeigt sich trotz geopolitischen Gegenwinds widerstandsfähig. Zwar gingen multilaterale Kooperationen zurück. Doch bildeten sich kleinere und agilere Koalitionen. Das zeigt das Global Cooperation Barometer 2026 des Weltwirtschaftsforums.

(CONNECT) Globale Zusammenarbeit entwickelt sich weiter statt abzunehmen. Das geht aus dem Global Cooperation Barometer 2026 des Weltwirtschaftsforums (World Economic Forum/WEF) hervor. Es wurde in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung McKinsey erstellt. Während multilaterale Formen der Zusammenarbeit zurückgingen, trugen kleinere und agilere Koalitionen von Ländern und manchmal auch von Unternehmen „entscheidend dazu bei, das allgemeine Niveau der Zusammenarbeit aufrechtzuerhalten“, heisst es dazu auch in einer Mitteilung.

Das Global Cooperation Barometer bewertet die globale Zusammenarbeit in fünf Themenkomplexen: Handel und Kapital, Innovation und Technologie, Klima und Natur, Gesundheit und Wohlbefinden sowie Frieden und Sicherheit. Das Barometer basiert auf 41 Indikatoren und weiteren Subkategorien. Zusätzlich wurden zwei Umfragen durchgeführt: eine unter rund 800 Führungskräften und eine weitere unter etwa 170 amtierenden oder ehemaligen Mitgliedern des WEF-Netzwerks Global Future Councils.

Demnach hat sich die Zusammenarbeit bei Handel und Kapital abgeflacht. Das Warenvolumen wächst, wenn auch langsamer als die Weltwirtschaft. Die Ströme verlagern sich auf stärker aufeinander abgestimmte Partner. Während das globale multilaterale Handelssystem mit zunehmenden Hindernissen konfrontiert ist, kooperieren kleinere Länderkoalitionen im Rahmen von Initiativen wie der Future of Investment and Trade (FIT) Partnership, einer Koalition von 16 Staaten, der auch die Schweiz beigetreten ist.

Die Zusammenarbeit bei Innovation und Technologie nahm zu. IT-Dienstleistungen und Talentströme sind gestiegen, die internationale Bandbreite ist heute viermal so gross wie vor der Pandemie. Es gibt mehr Beschränkungen beim Fluss wichtiger Ressourcen, Technologien und Kenntnisse, nicht nur zwischen den USA und China. Gleichzeitig entstehen neue Kooperationsformate zwischen gleichgesinnten Ländern, etwa hinsichtlich Künstlicher Intelligenz und 5G-Infrastruktur.

Auch die Zusammenarbeit bei Klima und Natur nahm zu, bleibt aber weiterhin hinter den globalen Zielen zurück. Saubere Technologien erreichten Mitte 2025 ein Rekordniveau. Auf China entfielen zwei Drittel der Zuwächse bei Solar-, Wind- und Elektrofahrzeugen, auch andere Entwicklungsländer legten zu.

Die Zusammenarbeit bei Gesundheit und Wohlbefinden blieb stabil. Doch diese Stabilität kaschiert eine zunehmende Fragilität. So hat der Druck auf multilaterale Organisationen zu einem Rückgang der Hilfsgelder geführt, auch die Entwicklungshilfe im Gesundheitswesen ist 2025 verschärft zurückgegangen.

Die Zusammenarbeit bei Frieden und Sicherheit nahm weiter ab. Alle erfassten Kennzahlen fielen unter das Niveau von vor der Pandemie. Ende 2024 erreichte die Zahl der gewaltsam vertriebenen Menschen einen Rekordwert von 123 Millionen. „Der wachsende Druck schafft jedoch Impulse für eine verstärkte Zusammenarbeit, unter anderem durch regionale Mechanismen zur Friedenssicherung“, so das WEF.

Als übergreifendes Fazit formuliert das WEF, dass die Länder ihre Art der Zusammenarbeit neu gestalten. Der Bericht schliesst mit der Feststellung, dass sich die Staats- und Regierungsverantwortlichen auf den Neuaufbau eines effektiven Dialogs mit ihren Partnern konzentrieren müssen, um gemeinsame Interessen zu identifizieren und voranzubringen. ce/mm

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