Frauen sind unverzichtbare Akteurinnen in der Landwirtschaft

30 Juni 2025 13:23

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Frauen sollen in der Landwirtschaft bis 2030 in Bezug auf Rechte und Chancen Gleichberechtigung erreichen, so die Vision des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbands (SBLV). Unter anderem geht es um Bezahlung und Vorsorge, schreibt SBLV-Präsidentin Anne Challandes. Denn Frauen seien wichtige Akteurinnen der Landwirtschaft.

Der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband (SBLV) veröffentlichte Mitte Mai eine Vision zur Agrarpolitik – AP 2030 – mit seinen Erwartungen und Zielen für eine bessere Stellung der Frauen in der Landwirtschaft in den Bereichen Ausbildung, Vertretung in Organisationen, Arbeit in der Landwirtschaft, Zugang zu Betrieben und zur Position der Betriebsleiterin sowie private und berufliche Partnerschaft.

Wir formulieren allgemeine und konkrete Anliegen, etwa zur Starthilfe, zur Förderung des Einstiegs, zur Transparenz der Geldflüsse und zur Berücksichtigung der Beiträge der Partnerinnen und Partner – in Form von Arbeit und finanziell. Wir wollen es Frauen ermöglichen, unter fairen, gleichwertigen Bedingungen in der Landwirtschaft zu leben und zu arbeiten, wie es ihre männlichen Kollegen historisch gesehen schon lange gewohnt sind.


Positive Entwicklung – doch es gibt noch viel zu tun

Als wichtigste Organisation, welche die Interessen von Frauen in der Landwirtschaft vertritt, haben wir ein offenes Ohr für ihre Anliegen und tragen sie weiter. Für die Zukunft stellt unser Verband ehrgeizige Weichen. Tatsächlich entwickelt sich die Situation der Frauen in der Landwirtschaft positiv, aber es bleibt noch viel zu tun. Die Bedürfnisse und Erwartungen erweitern sich im Zuge dieser Veränderungen, und wir achten darauf.

Die Schweizer Landwirtschaft kann sich auf die Frauen verlassen. Sie machen mehr als ein Drittel der Arbeitskräfte aus. Sie bringen sich aktiv in die landwirtschaftlichen Betriebe ein, sowohl durch ihre praktische Arbeit als auch durch ihre finanziellen Beiträge. Sie sind unverzichtbare Akteurinnen im Agrarsektor und tragende Säulen der Bauernfamilien, sie sind ein entscheidender Motor für den Erhalt und die Weiterentwicklung einer nachhaltigen Landwirtschaft in der Schweiz.

Während Frauen in der Landwirtschaft lange Zeit und überwiegend Ehepartnerinnen des Betriebsleiters waren, nehmen heute viele aktiv an der Leitung und Organisation des landwirtschaftlichen Betriebs teil. Zudem steigt die Zahl der Frauen kontinuierlich, die als Mitbewirtschafterin oder alleinige Betriebsleiterin tätig sind.


Eine klare Vision

Die Agrarpolitik muss die wirtschaftlichen und sozialen Interessen der Bäuerinnen und Bauern in den Vordergrund stellen. Mit dieser Vision legen wir die Ziele für 2030 fest, welche über die für die Zwischenbilanz 2025 definierten Ziele hinausgehen. Wir halten es für notwendig, weiter in die Zukunft zu blicken.

Wir wollen, dass der Anteil der Familienmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, die für ihre Arbeit im Betrieb bezahlt werden, sowie der Versicherungsschutz und die Vorsorge für alle Familienmitglieder 100 Prozent erreichen, respektiv annähernd erreichen. 

Ebenso werden die negativen Folgen von Trennung und Scheidung deutlich verringert, insbesondere für die Ex-Partnerinnen und Partner, die nicht Eigentümerinnen oder Eigentümer sind. 

Letztlich werden Frauen an der Spitze von landwirtschaftlichen Betrieben – ob allein oder in Partnerschaft –, in allen Kategorien von Betrieben sowie in landwirtschaftlichen Organisationen auf allen Ebenen ausgewogen vertreten sein.


Anne Challandes ist Bäuerin und Anwältin. Sie ist 56 Jahre alt, verheiratet und hat vier erwachsene Kinder. Sie wohnt in Fontainemelon (Val-de-Ruz) NE. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem ältesten Sohn führt sie den landwirtschaftlichen Familienbetrieb, der biologisch bewirtschaftet wird und Mutterkühe und verschiedene Kulturen umfasst, darunter unter anderem Quinoa und Linsen, die direkt vermarktet werden. Seit 2012 ist sie in Verbänden und auf verschiedenen Ebenen für Bäuerinnen und Landfrauen aktiv und hat 2019 das Präsidium des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbands (SBLV) und das Vizepräsidium des Schweizerischen Bauernverbands (SBV) übernommen. Zudem hat sie Einsitz in verschiedenen anderen Gremien.
 

Der Text wurde erstmals veröffentlicht in der BauernZeitung.

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