Forschende weisen auf Lücken beim Pflanzenschutz hin

29 Januar 2026 13:27

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Zürich/Liebefeld BE - Insgesamt 70 Prozent der Böden in Europa sind mit Pflanzenschutzmitteln belastet. Das hat eine Studie unter Co-Leitung der Universität Zürich belegt. Die oft langfristigen Auswirkungen der Fungizide und Pestizide auf Bodenorganismen müssen laut den Forschenden dringend in deren Regulierungen integriert werden.

(CONNECT) Die Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf die im Boden lebenden Organismen werden in der aktuellen Pflanzenschutzmittelregulierung bei weitem nicht ausreichend berücksichtigt. Zu dieser Einschätzung ist eine jetzt veröffentlichte internationale Studie unter Co-Leitung der Universität Zürich (UZH) auf Basis ihrer Ergebnisse gelangt. Einem Bericht der Hochschule zufolge liefert sie erstmals umfassende quantitative Belege für die Verbreitung und Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln in der europäischen Landwirtschaft.

An der Studie waren zehn europäische Forschungseinrichtungen beteiligt, darunter neben der UZH die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Union, die spanische Universität Vigo und Agroscope, das Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung. Sie untersuchten die Auswirkungen von 63 gängigen Pflanzenschutzmitteln auf die Böden und entnahmen insgesamt 373 Bodenproben aus Feldern, Wäldern und Wiesen in 26 Ländern Europas.

Demnach sind 70 Prozent der Böden Europas mit Pflanzenschutzmitteln kontaminiert. „Dies wirkt sich auf verschiedene nützliche Bodenorganismen wie Pilze (Mykorrhiza) und Fadenwürmer (Nematoden) aus und beeinträchtigt deren Biodiversität“, wird Studienleiter Marcel van der Heijden, Professor am UZH-Institut für Pflanzen- und Mikrobiologie und Forscher bei Agroscope, in dem Bericht zitiert. Die Forschenden konnten zudem zeigen, dass Pflanzenschutzmittelrückstände auch die eigentliche Funktion der Böden verändern. „Oft wird gar nicht bedacht, wie Pflanzenschutzmittel auf Organismen wirken, die nicht das Ziel sind“, sagt die zweite Studienleiterin Maria J. I. Briones von der Universität Vigo.

Ausserdem deuten die Ergebnisse darauf hin, „dass der Einsatz von Pflanzenschutzmittel die natürliche Nährstoffversorgungsfunktion des betroffenen Bodens beeinträchtigt und zusätzliche Düngung erforderlich ist, um die Erträge aufrechtzuerhalten“, so van der Heijden. Laut den Forschenden müssten diese Aspekte dringend in die aktuelle Pflanzenschutzmittelregulierung integriert werden. ce/mm

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