Forschende schützen Neugeborene gegen Hirnhautentzündung
02 Juni 2026 12:29
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(CONNECT) Ein Schweizer Forschungsteam hat laut einem Bericht der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) ein Verfahren entwickelt, mit dem eine Übertragung des Escherichia coli (E. coli)-Virus Typ K1 von der Mutter auf das Neugeborene vermieden werden kann. Dieses Virus ist bei jedem dritten gesunden Menschen natürlicher Teil der Darmflora und verursacht keine Probleme. Bei jedem 500. Neugeborenen ruft es jedoch eine lebensbedrohliche Hirnhautentzündung hervor, die bei überlebenden Kindern eventuell schwere und dauerhafte Schäden hinterlässt. Bislang kann es in einem Wettlauf mit der Zeit nur mit Antibiotika therapiert werden.
Das Team unter der Leitung von Emma Slack, ETH-Professorin für Schleimhaut-Immunologie, und Médéric Diard, Professor für Infektionsbiologie am Biozentrum der Universität Basel, verfolgte die Idee, E. coli K1 bei schwangeren Frauen zu eliminieren, so dass es gar nicht erst zu einer Übertragung kommt. Um das zähe Bakterium jedoch bekämpfen zu können, muss es zunächst von seiner schützenden Aussenhaut befreit werden. Dies gelang durch Bakteriophagen, also Viren, die darauf spezialisiert sind, Bakterien zu befallen und zu zerstören. Geeignete Bakteriophagen fand das Team in Abwasserproben einer Kläranlage der Agglomeration Luzern.
In Versuchen mit trächtigen Mäusen, die mit E. coli K1 infiziert worden waren, verabreichten die Forschenden erstens Phagen, die die Bakterien zwingen, ihre Schutzhülle abzustreifen, zweitens eine Phagen-Schluckimpfung, die diese Bakterien töten sowie drittens ein harmloses probiotisches Konkurrenzbakterium, das deren ökologische Nische im Darm besetzen kann. Bei einem Kontrollexperiment mit untherapierten Muttertieren wurde E. coli K1 bei der Geburt auf 83 Prozent der Jungtiere übertragen. Mit der Dreifachtherapie waren es nur 23 Prozent.
Alle drei Komponenten lassen sich nach Auskunft von Prof. Slack problemlos in einer Kapsel verpacken. Damit möchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun eine Therapie für Menschen entwickeln. Ausserdem wollen sie mit demselben Ansatz auch andere Bakterien bekämpfen, darunter multiresistente Erreger, gegen die viele Antibiotika nicht mehr wirken. ce/mm
