ETH-Team erreicht Meilenstein in der Sonnenphysik
05 Januar 2026 13:20
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(CONNECT) Forschende unter Leitung der ETH konnten laut einer Mitteilung ihrer Hochschule erstmals eine besonders aktive Region auf der Sonne während drei Sonnenumdrehungen verfolgen. Weil sich die Sonne in etwa 28 Tagen einmal um sich selbst dreht, rotiert eine solche Region nach zwei Wochen aus dem Blickfeld der Erde und bleibt zwei Wochen lang verborgen.
Doch das internationale Team um Ioannis Kontogiannis, Sonnenphysiker an der ETH und am Istituto ricerche solari Aldo e Cele Daccò in Locarno, und Louise Harra, ETH-Professorin und Direktorin des Physikalisch-Meteorologischen Observatoriums Davos, kombinierte die Daten zweier Raumsonden miteinander, des Solar-Orbiter der Europäischen Weltraumorganisation ESA und der NASA-Raumsonde Solar Dynamics Observatory. Dadurch konnte es die Beobachtungszeit von zwei Wochen auf 94 Tage ausdehnen. Die ESA-Sonde fliegt in rund sechs Monaten einmal um die Sonne und beobachtet dabei auch ihre Rückseite, während die NASA-Sonde Aktivitäten auf der Vorderseite aufzeichnet.
So konnte die Gruppe sehen, wie der stärkste Sonnensturm der vergangenen 20 Jahre in der Sonnenregion NOAA 13664 am 16. April 2024 auf der Rückseite der Sonne entstand, sich veränderte und am 18. Juli 2024 zerfiel. „Das ist die längste kontinuierliche Bilderserie, die jemals für eine einzelne aktive Region erstellt wurde – ein Meilenstein in der Sonnenphysik“, so Kontogiannis.
Als sich NOAA 13664 im Mai 2024 auf der erdzugewandten Seite befand, verursachte sie nicht nur Polarlichter, die sogar in der Schweiz zu sehen waren, sondern auch massive Störungen auf der Erde, etwa in der digitalen Landwirtschaft. Auch für Satelliten ist die erhöhte Strahlung gefährlich. Im Februar 2022 verlor das amerikanische Raumfahrtunternehmen SpaceX dadurch 38 von damals 49 Starlink-Satelliten.
Die jetzt angestellten Beobachtungen sollen laut ETH dazu beitragen, Sonnenstürme und deren mögliche Auswirkungen auf die Erde besser zu verstehen. Ziel ist eine genauere Prognose des Weltraumwetters, sodass moderne Technologie besser geschützt werden kann. ce/mm
