Datensouveränität muss laut Fachleuten zur Priorität werden
16 Februar 2026 15:11
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(CONNECT) Die Datensouveränität gehört laut Jeremy Roberts in diesen Zeiten der Deglobalisierung ganz oben auf die Agenda europäischer Unternehmen. Der Senior Direktor für Research & Content der Info-Tech Research Group stellt bei einer angepassten Strategie gravierende Netzwerkeffekte in Aussicht. Die neue Politik der USA kann hierfür als Katalysator dienen. „Unternehmen dürfen sich auf keinen Fall auf extraterritoriale Ressourcen verlassen, wenn es um essenzielle Daten und Prozesse geht“, betont er in einer Mitteilung. Diese Erkenntnis werde für viele Unternehmen immer deutlicher, doch für Datensouveränität sieht er weitere schlagende Argumente.
Roberts empfiehlt, konsequent auf Open-Source-Lösungen oder IT-Infastruktur- und Cloud-Leistungen von europäischen oder nationalen Anbietern zu setzen. Er verweist etwa darauf, dass Frankreich für Videokonferenzen auf eine proprietäre Lösung namens „Visio“ umgestiegen ist, dass das deutsche Bundesland Schleswig-Holstein Open-Source-Lösungen eingeführt hat, sowie auf anhaltende Handelskonflikte, die zu Beginn des Jahres 2026 die Datensouveränität in den Vordergrund gerückt haben.
„Europas Industrie verliert den Anschluss“, so Roberts. Laut Analysen hätten nur zwölf der hundert wertvollsten Tech-Unternehmen der Welt ihren Ursprung in Europa; 56 kommen aus den USA. Vier sind niederländisch, zwei jeweils deutsch und schweizerisch. „Mit Temenos und Avaloq ist die Schweiz im Vergleich stark aufgestellt, doch keineswegs zufriedenstellend im Hinblick auf die USA “, kommentiert Roberts.
Was Talente und den Braindrain in die USA betrifft, ist die Schweiz das einzige Land Europas, das sich durch hohe Löhne wettbewerbsfähig zeigt. International kann sie auf Sicherheit und Effizienz versprechende Rechtssicherheit bauen. Thematisch eilt deutschen wie Schweizer Lösungen der Ruf voraus, sehr leistungsfähige Antworten auf komplexe Fragen zu bieten. Temenos mit modularer Bankensoftware sei hierfür ein ebenso gutes Beispiel wie SAP-Software zur Steuerung selbst stark regulierter Prozesse.
Diese gute Ausgangslage könnte die Basis für eine noch grössere Anzahl von Schlüsselunternehmen sein. Roberts unterstreicht die Bedeutung von expliziten Innnovationsräumen, gerade in Bezug auf Steuerbedingungen und Risikokapital. Zudem müssten Unternehmen auch intern die Schlagzahl für Innovationen erhöhen. Unternehmen aus den USA investieren stärker in grundlegend neue Entwicklungen. „In Europa geht es in IT-Abteilungen noch zu häufig um den Betriebserhalt“, so der Info-Tech-Experte, „IT-Verantwortliche müssen in eine für viele ungewohnte Rolle als Innovationstreiber hineinwachsen.“
Die Info-Tech Research Group unterstützt weltweit aktuell über 30’000 IT-, Personal- sowie Marketing-Fachleute und betreibt Niederlassungen in Kanada, Grossbritannien, in den USA, in Australien und Singapur. Sie bietet unabhängige und praxisorientierte Forschungs- und Beratungsleistungen, die Führungskräfte dabei unterstützen sollen, zeitnah strategische und fundierte Entscheidungen zu treffen. ce/yvh
