Coface sieht nach der Europawahl erhöhte Risiken

14 Juni 2024 09:35

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Zürich/Paris - Coface rechnet durch das Erstarken der rechtsnationalen Parteien bei der Europawahl vom 6. und 9. Juni 2024 mit grossen nationalen Umwälzungen. In einer internen Analyse geht der Kreditversicher­er und Risikomanager von zunehmendem Druck auf Italien und Frankreich sowie die Aktienmärkte aus.

Die Ergebnisse der jüngsten Europawahlen werden nach einer internen Analyse des Kreditversicherers und Risikomanagers Coface grössere politische und wirtschaftliche Unsicherheiten sowie nationale Umwälzungen nach sich ziehen. Ausgangspunkt der Analyse sind die neuen Mehrheitsverhältnisse im europäischen Parlament.

Während die in der Europäischen Volkspartei (EVP)-Fraktion zusammengeschlossenen konservativen Parteien der 27 EU-Mitgliedsländer stark abschnitten, konnte die Fraktion der Progressiven Alllianz der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament (S&D) ihre Position halten. Beide verfügen weiterhin über die Mehrheit. Doch mussten sowohl die Zentrumsfraktion Renew als auch Die GRÜNEN/EFA starke Verluste hinnehmen. Dagegen bauten die autoritären und nationalistischen Kräfte in mehreren Ländern ihre Stimmenanteile aus.

Zu den daraus resultierenden Risiken zählt Coface die Ungewissheit über die genaue Zusammensetzung des Parlaments, weil noch nicht klar ist, welchen europäischen Fraktionen sich 100 fraktionslose Abgeordnete anschliessen werden. Das Erstarken der Rechtsextremen habe die Unsicherheit über die künftige politische Ausrichtung Europas erhöht. Dies biete einen fruchtbaren Boden für antieuropäische Bewegungen an den linken und rechten Rändern.

Speziell in Frankreich nehme die politische Unsicherheit zu, nachdem der französische Präsident Emmanuel Macron als Reaktion auf die schwere Niederlage seiner Zentrumskoalition die Nationalversammlung aufgelöst und Neuwahlen ausgerufen hat. Das neue Parlament werde vermutlich noch stärker zersplittert sein als das jetzige. Dies könne zu einem institutionellen Stillstand führen.

Der Druck auf den Staat werde also besonders in Frankreich, aber auch in Italien zunehmen, wo die Haushaltsdefizite deutlicher als erwartet über dem Zielwert liegen. Das werde den Druck auf die Länderrisiken erhöhen. Die Auswirkungen auf Staatsanleihen seien bereits ersichtlich, das Zinsumfeld dürfte noch länger restriktiv bleiben. Auch die Aktienmärkte erwartet Coface volatiler, zumindest bis zum Ausgang der französischen Parlamentswahlen. ce/mm

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