Coface sieht in Deutschland Grund für vorsichtigen Optimismus

17 Juli 2025 09:10

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Zürich/Paris - Coface konstatiert bei einer Umfrage zur Zahlungsmoral in Deutschland eine steigende Nachfrage nach längeren Zahlungszielen. Gleichzeitig zeigt sich eine vorsichtige Trendumkehr der wirtschaftlichen Stimmung. Das Inland und die EFTA-Staaten werden zunehmend als sichere Häfen wahrgenommen.

(CONNECT) Das Zahlungsverhalten in Deutschland hat sich seit dem Vorjahr leicht verschlechtert. In seinem neunten Germany Corporate Payment Survey 2025 zur Zahlungsmoral im Nachbarland stellte der global agierende Kreditversicherer und Risikomanager Coface angesichts zunehmender politischer Unsicherheit und geopolitischer Risiken eine deutlich gestiegene Nachfrage nach längeren Zahlungszielen fest.

„Bemerkenswerte“ 84 Prozent der insgesamt 847 zwischen Mai und Juni befragten deutschen Unternehmen kamen ihren Lieferanten mit den Zahlungsfristen entgegen, der höchste Wert seit 2016. Besonders häufig sahen sich Betriebe mit entsprechenden Bitten konfrontiert, die sowohl im Inland als auch im Exportgeschäft tätig sind. Ihr Anteil stieg seit dem Vorjahr von 81 auf 93 Prozent.

Der Anteil der Firmen, die Zahlungsverspätungen erleben, stieg seit 2021 von 59 Prozent auf 81 Prozent 2025. Den stärksten Anstieg verzeichnete die Finanzberatung (+10,3 Tage), den stärksten Rückgang der Transportsektor (-4,5 Tage). Die durchschnittliche Dauer der Zahlungsverspätungen stieg um einen Tag auf 31,8 Tage. Damit verschlechterte sich zwar die Zahlungsmoral, liegt aber weiterhin deutlich unter dem Durchschnitt von 39,7 Tagen vor der Pandemie und ist nach wie vor der niedrigste Wert unter allen von Coface untersuchten Ländern.

2025 gaben 12 Prozent der befragten Unternehmen an, dass ihre Zahlungsrückstände mehr als 2 Prozent ihres Jahresumsatzes ausmachen. Am stärksten betroffen war der Bausektor um 24 Prozent der befragten Unternehmen. Als alarmierend bezeichnet Coface, dass überfällige Forderungen für 2 Prozent aller Befragten mehr als 10 Prozent ihres Jahresumsatzes ausmachen. Die gute Nachricht: In 8 von 12 Branchen sank das finanzielle Risiko.

Das Baugewerbe ist seit 2025 wieder die Branche mit den kürzesten Zahlungserwartungen: 81 Prozent verlangen die Begleichung ihrer Rechnungen innerhalb von 30 Tagen. Den stärksten Rückgang verzeichnete der Finanz- und Beratungssektor (durchschnittlich -13,3 Tage). Die Holzindustrie verlängerte die Frist um 8,1 Tage, der Metallsektor um 4,1 Tage. Addiert man alle verschiedenen Indikatoren, ist der Bausektor, der sich seit Anfang 2021 in einer Rezession befindet, der Sektor mit der schlechtesten Zahlungsmoral.

Insgesamt sieht Coface Grund zu vorsichtigem Optimismus: Während 48 Prozent der Befragten im vergangenen Jahr eine Verschlechterung ihrer Geschäftslage und nur 9 Prozent eine Verbesserung (-39 Punkte) erwarteten, verbesserte sich der Saldo 2025 auf -17 Punkte. Mit Blick auf 2026 springt er sogar in den positiven Bereich (+16 Punkte). Die dramatischste Kehrtwende ist im Transportsektor zu beobachten: 2025 zählt er zu den pessimistischsten Branchen (-47 Punkte), für 2026 führt er den Optimismus an, knapp vor der Metallbranche. Nur die Papier- und Verpackungsindustrie bleibt überwiegend pessimistisch.

Angesichts der weltweit zunehmenden politischen Unsicherheit wird Deutschland häufiger als vielversprechendster Markt genannt. Das Land könnte also von einem moderaten „Sicherer-Hafen-Effekt“ profitieren. Dieser Trend scheint sich laut Coface auch auf die EFTA-Länder Schweiz, Island und Norwegen auszuweiten, die laut Coface zunehmend als stabile Alternativen angesehen werden. Grösster Verlierer im diesjährigen Beliebtheitsranking sind die Vereinigten Staaten, die nur noch von 9 Prozent der Teilnehmenden als vielversprechendster Markt genannt werden.

Coface unterstützt Schweizer Unternehmen seit 1995 bei ihrer internationalen Entwicklung und betreibt Standorte in Zürich und Lausanne. ce/mm

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