Bundesrat verzichtet auf Schweizer Teilnahme an Copernicus
05 Juni 2026 14:57
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(CONNECT) Die Schweiz soll sich in der nächsten Laufzeit 2028 bis 2034 nicht am EU-Programm Copernicus zur satellitengestützten Erdbeobachtung beteiligen. Das hat der Bundesrat laut einer Mitteilung am 5. Juni entschieden. Er will die Teilnahme erst 2032 wieder prüfen.
Der Bundesrat begründet seinen Entscheid damit, dass die Rohdaten des Programms bisher nahezu vollständig auch von Nicht-Teilnehmenden genutzt werden könnten. Er räumt aber ein, dass die Schweiz sich damit nicht an den operativen Diensten und Leitungsgremien beteiligen, keine Dienste aktivieren oder Produkte in Echtzeit empfangen noch an deren Steuerung teilnehmen könne. Zudem können Schweizer Unternehmen nicht an den von Copernicus finanzierten öffentlichen Aufträgen teilnehmen.
Der Bundesrat lieferte zu seinem Entscheid ein Gutachten mit, das die Swiss Economics SE AG 2025 im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt erstellt hatte. Dieses kam zum Schluss, dass der durch eine Teilnahme zu erwartende Nutzen die Kosten „voraussichtlich deutlich“ übersteige.
Das Gutachten schätzt das jährliche Copernicus-Auftragsvolumen, von dem Schweizer Unternehmen derzeit ausgeschlossen sind, auf 36,5 Millionen Franken. Zusammen mit vor- und nachgelagerten Sektoren entspreche allein die monetäre Wertschöpfung den Beitritts- und Vollzugskosten.
Hinzu komme der Mehrwert durch die stärkere Einbindung in internationale Konsortien und die europäische Fachgemeinschaft. Raumfahrt und Erdbeobachtung seien Zukunftsbereiche, die „als Innovationstreiber mit grossem Potenzial für Technologietransfer in andere Branchen gelten“, heisst es im Gutachten.
Die EU und die Europäische Weltraumorganisation (ESA) hatten Copernicus 1998 lanciert. Ein Netz von 20 Satelliten, deren erster 2014 gestartet ist, sowie Bodenstationen sollen Daten für den Umwelt- und Katastrophenschutz sowie die Sicherheit liefern.
Swissmem hatte schon 2024 vor einer Nicht-Teilnahme gewarnt. Schweizer Unternehmen drohe ein Langzeitschaden. Sie könnten gezwungen sein, Tätigkeiten ins Ausland zu verlagern. Das gefährde den Standort Schweiz, schrieb der Branchenverband in einem Brief an den Bundesrat.
„Die Swissmem Space Industries Group (SSIG) bedauert die Entscheidung des Bundesrates zutiefst“, wird Didier Manzoni in einer Stellungnahme zitiert. „Sie beschränkt den Zugang von Schweizer Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu strategischen Vereinbarungen, Dienstleistungen und Netzwerken der Zusammenarbeit“, so der Präsident der SSIG. „Unabhängige ökonomische Analysen haben gezeigt, dass eine Teilnahme der Schweiz einen erhebliche wirtschaftlichen und technologischen Nutzen gebracht hätte. Die SSIG ist der Ansicht, dass eine Nicht-Teilnahme der Schweiz an Copernicus die Wettbewerbsfähigkeit und die langfristige Innovationsfähigkeit der Schweizer Weltraumbranche zu schwächen droht.“ ce/ug