Beton aus abgerissenen Gebäuden könnte Syrien wiederaufbauen

17 April 2023 15:05

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Ankara - Der Schutt der im syrischen Bürgerkrieg zerstörten Gebäude könnte beim Wiederaufbau des Landes helfen. In der April-Ausgabe des „Journal of Materials in Civil Engineering“ schätzen Experten, dass recycelter Beton bis zur Hälfte der für den Bau neuer Gebäude benötigten Materialien ersetzen könnte, ohne an Qualität zu verlieren.

Im syrischen Bürgerkrieg wurden mehr als 130‘000 Gebäude zerstört. Noch dauern die Kämpfe an. Aber nach deren Beendigung werden 8 Millionen vertriebene Flüchtlinge zurückkehren. Das erfordert ein massives Wiederaufbauprogramm, um sie mit Wohnraum und Arbeitsplätzen zu versorgen.

Fachleute nennen in der April-Ausgabe des „Journal of Materials in Civil Engineering“ allerdings eine mögliche Lösung. Sie schätzen, dass wiederverwerteter Beton bis zu 50 Prozent der für den Bau neuer Gebäude in Syrien benötigten Materialien ersetzen könnte, und das ohne Qualitätsverlust. Rund 70 Prozent der zerstörten Gebäude in Syrien wurden aus Betongemischen gebaut.

„Noch nie war Betonschutt in so grossem Umfang verfügbar wie jetzt in Teilen Syriens, was enorme Chancen für diese Arbeit bietet“, schreiben die Forscher von der Ain-Schams-Universität in Aleppo in Syrien, der Technischen Universität des Nahen Ostens in Ankara und der britischen Universität Sheffield.

Die Wissenschaftler simulierten Szenarien für den Beginn des Wiederaufbaus, untersuchten die chemischen und physikalischen Eigenschaften von Betonzuschlagstoffen aus zerstörten Gebäuden und verglichen frischen Beton mit frischen und recycelten Mischungen. Die Forscher merkten an, dass ihre Ergebnisse wahrscheinlich auch für Schäden durch Erdbeben und andere Katastrophen gelten können.

„Eines der grössten Hindernisse bei der Wiederverwendung von Materialien zur Herstellung von neuem Beton ist die Frage, ob das Endprodukt genauso stark und zuverlässig ist wie herkömmlich hergestellter Beton“, wird Theodore Hanein, UKRI Future Leaders Fellow an der Universität Sheffield in einer Medienmitteilung zitiert. „Unsere Arbeit zeigt, wie dies in Syrien möglich ist, mit dem Potenzial, diese Arbeit auf überall auf der Welt zu wiederholen.“ jd 

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