5 Thesen für nachhaltige Top-Karrieren von Frauen

03 Juni 2025 08:47

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Frauen sollten in Schweizer Führungspositionen kommen, um dort im besten Fall auch zu bleiben, ist Michael Fahrni überzeugt. Der scheidende SVC-Geschäftsführer stellt auf Basis seiner Erfahrungen fünf Thesen zur Diskussion, die kompetenten Anwärterinnen Mut machen und Eigenverantwortung zusprechen.

Nach einem vielfältigen Berufsleben trete ich Ende des Jahres in den Ruhestand und beende meine über siebenjährige Amtszeit als Geschäftsführer des KMU Clubs SVC Swiss Venture Club. Und wenn ich auf meine Führungserfahrung aus den vergangenen 30 Jahren zurückschaue, fällt mir auf: Ich habe gesehen, dass viele starke Frauen Spitzen-Positionen der Wirtschaft erreicht, aber auch wieder verlassen haben. Mit diesen fünf Thesen möchte ich insbesondere aufstrebende Frauen bestärken, in entscheidenden Momenten den Weg in Richtung Führungskarriere nicht aus den Augen zu verlieren. 


These 1: Gleichberechtigung beginnt im Elternhaus 

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr 

 

Das Frauenbild der Männerwelt wird bereits in der Kinderstube mitgeprägt. Wenn die eigene Mutter, sei es als Arbeitnehmerin, Unternehmerin oder als Hausfrau, eine gleichwertige Stellung mit ihrem Ehemann erfährt, eine offene Kultur des Miteinanders und der Gleichberechtigung herrscht, färbt das auf die Kinder ab. Ich selbst durfte in einem solchen Elternhaus aufwachsen und hatte nie die Idee, einer Frau im Beruf sei nicht dasselbe zuzutrauen wie einem Mann. 


These 2: Vereinbarkeit Familie und Beruf 

Weg mit dem schlechten Gewissen  wegen Drittbetreuung

 

„Wenn ich als Frau dann die Kinder die ganze Woche in die KITA gebe, will ich gar keine eigenen Kinder“ – diese Argumentation von Frauen, die den Beruf aufgeben wegen Mutterschaft, ist öfters zu hören. Die KITA-Betreuung, Tagesschulen und weiteren Angebote haben heute eine Qualität und Dichte, die ein Sowohl-als-auch mit Teilzeitpensum sehr gut zulassen. Und gerade junge Mütter, welche 20 bis 40 Prozent arbeiten und dann mit 40 oder 45 Jahren wieder voll in den Beruf einsteigen, haben die weit besseren Karriere-Chancen, als jene, welche die Berufstätigkeit während fünf und mehr Jahren voll aufgegeben haben. 


These 3: Durchhalten lohnt sich

Bei unbefriedigenden Situationen nicht zu rasch die Flinte ins Korn werfen 

 

Oft habe ich erlebt, dass Frauen in höheren hierarchischen Positionen nach ein bis zwei Jahren in der Funktion plötzlich wieder „weg waren“. Wenn man dann etwas nach den Hintergründen recherchiert hat, waren Konflikte mit einem „toxischen“ Chef oder Umfeld und Ähnliches der Grund für den Abgang. Mein Wunsch an solche Frauen: Haltet durch, lasst Euch nicht beirren! Mit eigenem Zutun oder auch einfach sich ändernden äusseren Umständen wird die Situation nach gewisser Zeit meist besser oder andere Karriere-Opportunitäten innerhalb des Unternehmens hätten sich aufgetan. Das Durchhalten hätte sich gelohnt!  
 

These 4:  Die Partnerwahl hat Einfluss auf die eigenen Karriere-Chancen 

Hinter Frauen in Top-Positionen steht ein Mann, der zurückstecken kann

 

Öfters verbinden sich sogenannte Karriere-Frauen mit Karriere-(Macho-)-Männern. Wenn dann die Familie kommt, setzt sich der Mann durch, arbeitet voll weiter und die Frau verzichtet auf die eigene Karriere. Fazit: Mit der Partnerwahl ist die „frauliche“ Karriere bereits vorbei... Denn: Ab einer gewissen Komplexität der Führungsfunktion muss das Privatleben öfters zurückgestellt werden. Meine Beobachtung: Bei Frauen in Top-Positionen übernimmt mehrheitlich der Ehemann beziehungsweise Partner diese meist der Frau zugewiesene Rolle und stellt die eigenen beruflichen Ambitionen zurück. 
 

These 5: Führungskraft in Teilzeit kann funktionieren

Aber Chefinnen und Chefs müssen präsent sein! 

 

Es ist wichtig, dass der Chef oder die Chefin mehrheitlich vor Ort im Unternehmen präsent ist. Als Vorbild, Coach, als motivierende Kraft, für die Ausbildung, beim Entscheiden, bei der Kreation von Innovation und weiterem. Aber auch, um das Sensorium für die Stimmung im Team zu behalten. Aus dem Homeoffice funktioniert das Informelle nicht. Solche Out-of-Office-Führungskräfte – ob Mann oder Frau – ziehen sich öfters aus der Führung zurück oder verlieren die Akzeptanz ihres Teams.


Michael Fahrni führte in den letzten siebeneinhalb Jahren als Geschäftsführer den SVC (Swiss Venture Club) mit rund 3600 Mitgliedern. Zuvor war er fast 30 Jahre in Führungspositionen bei einer Grossbank tätig, stets im Umfeld von Firmenkunden. Der 62-jährige verheiratete Vater von zwei Töchtern und zwei Söhnen ist vielfältig ehrenamtlich tätig, vorwiegend im Sport-Umfeld. Ende 2025 tritt Michael Fahrni in den Ruhestand.

 

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