Zürcher Forschende setzen bei Blasenentzündungen auf Phagen

29 February 2024 12:52

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Zürich - Eine langjährige Forschung von Universität Zürich und Eidgenössischer Technischer Hochschule Zürich über Phagen gegen Harnwegsinfektionen geht 2024 in die klinische Phase. Dabei soll geklärt werden, ob Phagen womöglich effektiver gegen Harnwegsinfektionen wirken als Antibiotika.

Forschende der Universität Zürich (UZH) und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich arbeiten laut einem Bericht der UZH an Phagen-Therapien gegen Harnwegsinfektionen. Sie halten diese für einen Ausweg aus den zunehmenden Antibiotikaresistenzen. Phagen – Viren, die ausschliesslich Bakterien befallen und sie abtöten – könnten Betroffene aus der Abhängigkeit von Antibiotika befreien und sind womöglich eine Lösung bei chronisch wiederkehrenden Infektionen, die nicht selten Nierenleiden verursachen.

Der Bericht zeichnet nach, wie Thomas Kessler, Chefarzt für Neuro-Urologie an der Universitätsklinik Balgrist, vor über 15 Jahren zufällig erfuhr, dass man in einer Apotheke in Tiflis ein Medikament gegen Harnwegsinfektionen kaufen könne, das kein Antibiotikum, sondern Phagen enthalte. Als Reaktion darauf veröffentlichten Kessler und sein Team 2011 dazu die weltweit erste randomisierte Studie. Sie zeigte unter anderem, dass die Phagen so gut wirken wie Antibiotika.

In der Folge modifizierte Martin Loessner an der Eidgenössischen Technischen Universität Zürich Phagen genetisch so, dass sie Bakterien in der Blase und den Harnwegen gezielt vernichten. Aus der Zusammenarbeit der Forschenden entstanden mit CAUTIphage und ImmunoPhage zwei neue Projekte. Noch in diesem Jahr sollen solchermassen veränderte Phagen in die klinische Phase gehen.

Seit 2023 arbeitet Kessler in einem weiteren Projekt namens mTORUS. Neben der Therapie mit Phagen wird dabei auch ein gesundes Mikrobiom in die Blase transplantiert. „Diese Erkenntnisse könnten auch auf andere bakterielle Infektionen sowie auf systemische Entzündungskrankheiten und eventuell Blasenkrebs ausgedehnt werden“, so Kessler. Doch dafür bedürfe es noch weiterer Forschung. ce/mm

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