Warum Personal Branding für Gründerinnen Pflicht ist
07 April 2026 08:55
Kürzlich haben wir den Kick-off unseres FF+ Investment Readiness Accelerators gefeiert. Acht Gründerinnen, acht Start-ups, alle mit innovativen Ideen.
Und alle stehen vor derselben Frage: Wie gewinne ich Kundschaft? Wie überzeuge ich Investierende? Wie baue ich Vertrauen auf, noch bevor die Leute mich persönlich kennen?
Das Gute ist: Alle können das lernen. Und mit der richtigen Strategie katapultiert der Aufbau einer persönlichen Marke – also das sogenannte Personal Branding – auch das Business in neue Höhen.
Niemand kauft Dein Produkt. Sie kaufen Dich.
92 Prozent der Menschen vertrauen Empfehlungen von Personen mehr als Markenbotschaften. Investierende googeln Gründende, bevor sie das Pitch-Deck mit der Präsentation des Start-ups überhaupt öffnen. Und Gründende mit einer starken persönlichen Marke sammeln im Schnitt doppelt so schnell Kapital ein wie jene ohne.
Diese Tendenz zieht sich auch durch die Social-Media-Kanäle: LinkedIn, TikTok, Instagram – alle Plattformen bevorzugen Personenseiten gegenüber Unternehmensseiten. Wer gründet und die dazugehörige Geschichte erzählt, schafft eine Verbindung, die kein Unternehmensaccount replizieren kann. Diese Sichtbarkeit zieht Kundschaft, Investierende und Talente an und macht ein Jungunternehmen deutlich attraktiver, bevor das Team dahinter überhaupt pitcht.
Trotzdem zögern viele. Ich habe viele Founderinnen gefragt, warum. Die Hauptgründe sind: Bescheidenheit, Perfektionismus und die Angst, angreifbar zu werden. Währenddessen spielen die männlichen Mitbewerber längst mit dem Bild des Vordenkers, oder wie es im Start-up-Sprech heisst: des „Thought Leaders“. Und dabei erscheint zweitrangig, ob das Fachwissen dahinter immer gerechtfertigt ist oder nicht.
Positionierung ist keine Selbstdarstellung
In der Verwechslung mit Selbstdarstellung liegt das grösste Missverständnis. Personal Branding bedeutet nicht, täglich Selfies zu posten oder das eigene Leben zur Dauerinszenierung zu machen.
Positionierung bedeutet: Ich weiss, wer ich bin und wie meine Zielgruppe aussieht. Das richtige Problem für die richtige Person lösen. Dieselbe Botschaft konsistent wiederholen. Sichtbar sein – auch wenn es sich unangenehm und „out of the comfort zone“ anfühlt.
„If you're for everyone, you're not special to anyone.“
Beispiel gefällig? Eine Gründerin, die über die Herausforderungen ihres Marktes schreibt, über Learnings aus Fehlern und ihren Weg – genau diese Person baut Vertrauen auf. Bei Kundinnen und Kunden, die ihr Angebot besser verstehen. Bei Talenten, die wissen wollen, für wen sie arbeiten. Bei Investierenden, die ihre Denkweise und Expertise einschätzen können – viele von ihnen investieren lieber in Start-ups, die wissen, was Scheitern ist und daraus gelernt haben.
Das ist keine Selbstdarstellung. Das ist Kommunikation mit Substanz.
Warum jetzt der perfekte Zeitpunkt ist
Der sogenannte Content-Overload ist real. Das bedeutet: Menschen werden täglich mit inszenierten, hochpolierten Inhalten überflutet – und werden dabei zunehmend selektiver. Was zählt, ist Glaubwürdigkeit. Und genau das schafft eine grosse Chance für Expertinnen mit authentischer Präsenz.
Die Lücke für echte Gründerinnen-Stimmen war noch nie so gross. B2B-Creators auf LinkedIn sind 2026 der spannendste Kanal überhaupt. Wer jetzt beginnt, hat einen massiven Vorsprung – einen Early-Mover-Advantage.
Und ein kurzer Einschub für die Schweiz: Zurückhaltung gilt hier traditionell als Tugend. Strategisch ist das ein Handicap. Sichtbarkeit ist kein Widerspruch zu Seriosität – wer Expertise zeigt, statt diese nur zu behaupten, stärkt sein Ansehen. Die Frage ist nicht ob, sondern wie.
Auch hier gilt: Weniger ist mehr.
Wer Lust bekommen hat, beachtet am besten drei Hebel, die wirklich funktionieren:
- Eine Plattform wählen – und konsequent bespielen. Nicht LinkedIn und TikTok und Instagram gleichzeitig. Eine Plattform, auf der die relevante Zielgruppe ist. Dort Präsenz aufbauen.
- Die eigene Geschichte erzählen. Warum hast Du genau dieses Business gegründet? Was ist Dein Bezug zum Produkt und zur Zielgruppe? Was ist schiefgelaufen – und was hat man daraus gelernt? Authentische Einblicke schaffen mehr Verbindung als jeder Hochglanz-Content.
- Konsistenz über Perfektion stellen. Regelmässigkeit schlägt Over-Production. Wer ein- bis zweimal die Woche etwas Echtes, Authentisches teilt, baut über Monate eine Präsenz auf, die kein einmaliger viraler Post ersetzen kann.
Personal Branding ist kein Nice-to-have mehr. Es ist ein Wettbewerbsvorteil – beim Fundraising, bei der Gewinnung von Kundschaft und Talenten.
Vanessa Mohrig unterstützt Gründerinnen und Gründer als Co-Lead der Female Founders Initiative Switzerland. Als Marketing & Community Lead beim Startup Campus Switzerland begleitet sie Start-ups auf ihrem Weg zu Wachstum und Investitionsreife. Der FF+ Investment Readiness Accelerator – ein kostenloses, zehnwöchiges Programm für Start-ups mit mindestens einer weiblichen Gründerin – startet zweimal jährlich.