Stimmungsbarometer Klimawandel

04 March 2024 11:55

Freundliche Aufgeschlossenheit kann der Funke sein, der ein Netzwerk lebendig hält. Das ist die Erfahrung von Riccarda Mecklenburg. Die Präsidentin des Verbands Frauenunternehmen (VFU) tritt dafür ein, diese Haltung auch in den Alltag zu bringen.

Ziemlich orientierungslos und auch gedankenverloren stand ich vor der Kasse im Baumarkt. Die Kassiererin wies mich ruppig an, wo ich bezahlen konnte, und fragte vorwurfsvoll, ob ich müde sei. Ich sagte: Ja. Meine Gedanken waren weit weg. In Südafrika, in der Kapregion. Bei Menschen, die einen zuerst freundlich anlachen und dann fragen: Wie es einem geht? Was man heute so macht? Ob es einem gefällt? Ob man helfen könnte? Irgendwas Nettes halt. Automatisch lächelt man zurück. Fragt auch, wie es der anderen Person geht. Macht ein Kompliment. Lacht. Man ist einfach freundlich miteinander. Das tut so gut. Und dieses Land hatte ich erst vor kurzem bereist.

Angesichts dieser schönen Erinnerungsfetzen schossen mir Tränen in die Augen. Die Kassiererin zog eine Schublade auf, nahm ein verschlossenes Glas mit bunten Bonbons raus, schraubte es auf und hielt es mir unter die Nase. „Zucker hilft bei Müdigkeit", war ihre pragmatische Aufforderung, ich solle mir ein Bonbon nehmen. Ich steckte mir eines in den Mund und lächelte sie dankend an. „Ja, Zucker hilft – und freundliche Worte", sagte ich und lächelte sie noch freundlicher an. Da strahlte sie das erste Mal und der kleine Schritt zum Klimawandel war vollbracht.

Ich weiss, wir aus Mitteleuropa sind anders, nicht so herzlich, eher vernünftig, leicht dauergenervt. Warum soll man freundlich sein? Es reicht doch, effektiv zu sein. Nein, es reicht nicht. Es macht krank, wenn wir uns gegenseitig behandeln, als wären wir nur eine KI. Wir brauchen Freundlichkeit wie Nahrung.

Freundliche Aufgeschlossenheit ist unsere magische Formel in unserem Verband Frauenunternehmen. Jede Unternehmerin, die zum ersten Mal bei einem Anlass dabei ist, schwärmt von der so herzlichen Wärme und vom Interesse, das ihr entgegengebracht wird. So ging es mir vor vielen Jahren, als ich das erste Mal dabei war, und so ergeht es heute noch unseren Interessentinnen und Neumitgliedern.

Ich sehe es als eine meiner wichtigsten Aufgaben als Präsidentin vom Verband, echte Herzlichkeit, Interesse und Willkommenswärme zu geben. Neben dem professionellen Netzwerken, der beruflichen Weiterbildung und dem Austausch zu unternehmerischen Herausforderungen braucht es noch einen besonderen Funken, warum man sich regelmässig treffen möchte. Es ist die Sehnsucht nach Nähe, nach Bestätigung, vorbehaltloser Sympathie, die unsere Unternehmerinnen bekommen und sich gegenseitig geben. Und das spürt man vom ersten Treffen an.

Das ist die Glücksformel von unserem Verband Frauenunternehmen. Wie schön wäre es, wenn wir das auch in unserem Alltag leben würden. Ein Lächeln schenken, etwas Milde im Umgang, Interesse am Gegenüber, ein Kompliment machen. Versuchen Sie es mal heute.


Riccarda Mecklenburg ist Präsidentin des Verbands Frauenunternehmen (VFU) und Gründerin des Unternehmens CrowdConsul.ch, das Projekte im Crowdfunding und Crowdinvesting unterstützt. Zudem coacht sie Start-ups für die strategische Firmenentwicklung und ersten Finanzierungen.

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