Netzwerke können Frauen ins Top-Management führen

04 March 2024 10:43

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St.Gallen - Untersuchungen der OST – Ostschweizer Fachhochschule verdeutlichen, dass Unternehmen sensibler werden in Bezug auf den Frauenanteil im Top-Management. Ein Fachbuch gibt Hinweise, wie dieser Trend tatsächlich zu Veränderungen führen kann.

Unternehmen achten verstärkt auf die Diversität in ihrem Verwaltungsrat – das ist ein Ergebnis der Forschung eines Teams an der OST – Ostschweizer Fachhochschule. Deren Inhalt wurde aufgearbeitet in einem neuen Fachbuch mit dem Titel: „Diversity in Verwaltungsrat und Geschäftsleitung mittelgrosser Unternehmen. Status Quo und Empfehlungen für Rekrutierung, Netzwerken und nachhaltige Förderung.“ Sibylle Olbert-Bock hatte laut einer Medienmitteilung hierfür gemeinsam mit den Forschenden Kerstin Helfmann, Rosella Toscano-Ruffilli, Bernhard Oberholzer und Nicole Bischof Untersuchungen durchgeführt. Fokus lag auf der Besetzung des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung von mittelgrossen Unternehmen in den letzten vier Jahren. Sibylle Olbert-Bock ist Professorin und Leiterin des Kompetenzzentrums für Leadership & Human Resources am Institut für Organisation und Leadership der OST.

Herausgefunden wurde, dass 67 Prozent der befragten mittelgrossen Unternehmen es in Erwägung ziehen, den Frauenanteil in ihrem Verwaltungsrat zu erhöhen, 39 Prozent stehen voll hinter diesem Ziel. Dabei gibt die Autorenschaft zu bedenken, dass niemand davon ausgehen könne, dass mehr Frauen im Verwaltungsrat automatisch zu mehr Frauen in der Geschäftsleitung führten.

Im Fachbuch wird nicht nur der Status Quo aufgezeigt. Es enthält konkrete Empfehlungen für die Rekrutierung und nachhaltige Förderung von Frauen im Top-Management. Zu lesen ist: „Die Verwaltungsräte wurden über Jahrzehnte von Männern dominiert, die Nachfolgerekrutierungen werden nach wie vor deutlich aus dem eigenen Netzwerk betrieben. Dies hat zur Folge, dass die Gremien wenig divers aufgestellt waren, da man vorwiegend Mitglieder dazugewann, mit denen man auf derselben Wellenlänge war.“ Über die sogenannten Old Boys Clubs seien Mandate besetzt worden, an Transparenz betreffend der Rekrutierungspraxis hätten es viele Unternehmen missen lassen. Heutzutage stiegen jüngere Frauen hingegen meist über eine Businesskarriere auf. Sie seien stark auf ihre Leistung fokussiert. Trotz Selbstvertrauen nutzten diese dabei ihre Netzwerke bedeutend schlechter als Männer, heisst es. Hier brauche es unter anderem Coaching, um Netzwerkstrategien zu erstellen. Gleichzeitig nimmt die Autorenschaft auch Unternehmen in die Pflicht, Strategien für die Besetzung der Verwaltungsratsmandate und Geschäftsleitungsfunktionen weiterzuentwickeln. ce/yvh

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