Follow the Values

22 March 2023 12:29

Pünktlich zur 175 Jahr-Feier der Schweizer Bundesverfassung bescheren zwei Firmen der Schweiz ein schönes Geschenk. In der Logik der praktischen Negativ-Zinsen haben es die Finanzfachleute kreativ verpackt als Negativ-Geschenk, immerhin in der Höhe von 209 Mrd. Franken – oder darfs es bitzeli meh si, fragt Christian Häuselmann. 

14 Jahre Notfallvorbereitung seit der letzten Finanzkrise sind in einer Wochenendsitzung verdampft. Wirtschaftselite, Bundesrat, Not(en)bank, Notrecht. Heisst: Regeln und Vertrauen werden gebrochen.

Wer die Bücher der beiden Welt-Banken analysiert, sieht Parallelen. Seit 2010 wurden für offensichtlich rechtswidrige Arbeiten rund 17 Milliarden Franken (Credit Suisse) und 12 Milliarden Franken (UBS) an Anwaltskosten und Bussgeldern produziert. Die zu einem Schnäppchenpreis fusionierte neue Firma dürfte in dieser Disziplin wohl gemeinsam bald die Marke von 30 Milliarden knacken. Das sind immerhin 30'000'000'000 Franken. Oder war es doch ein Tweet im Herbst 2022 und die Social Media, welche die stolze Credit Suisse ins Verderben stürzten?

Noch ein Gedankenspiel: Der von UBS bezahlte Kaufpreis von 3 Milliarden wird durch 209 Milliarden Notgelder abgesichert durch die Schweiz. Diese 209 Milliarden entsprechen rund einem Faktor 26 (26x) des Betrags, den die beiden Banken vor 20 Jahren der Swissair zur Rettung verwehrt haben. Als Folge wurde diese echte Schweizer Firma ins Ausland verkauft. 

Im Bericht der Geschäftsprüfungskommission des Ständerates vom 19. September 2002 liest sich dies so (Seite 5406): „Es zeigte sich, dass eine Sanierung der ganzen Gruppe mindestens 8 Milliarden Franken gekostet hätte und somit nicht finanzierbar war. ... Am 1. Oktober 2001 zeigte sich, dass die Grossbanken eine entsprechende Transaktion ohne den Bund planten. Diese waren jedoch nicht bereit, den Flugbetrieb der Swissair in der Überführungsphase zu finanzieren. Sie haben eine Stilllegung der Swissair-Flotte in Kauf genommen.“

Das muss man sich auf der Zunge vergehen lassen. In der normalen Unternehmerwelt sind dies ungeheuerliche Zahlen und Vorkommnisse. Was lernen wir daraus?

Wir lernen, dass die bisher zur Beurteilung unübersichtlicher Situationen recht präzise Methode des „Folge dem Geld – Follow the Money“ nicht mehr genügt. Eine Trendumkehr ist weder ersichtlich noch realistisch. Was ist also der neue Massstab, mit dem sich undurchsichtige Situationen beurteilen lassen? Was ist die Leitlinie, an der wir uns verlässlich orientieren können? 

Es ist wohl einfacher als wir denken: „Folge den Werten - Follow the Values!“

Die Wertehaltung und Kultur einer Person, einer Organisation oder gar eines Landes ändern sich meistens nur langsam, im Verlauf von Jahrzehnten. These ist, dass Werte zum einzig zuverlässigen Massstab werden, zur neuen Leit-Währung. Heute und in Zukunft, gerade auch in einer sich extrem schnell wandelnden und damit unsicheren Welt.

 

Christian Häuselmann ist ein passionierter Ökonom, Innovator und Serial Entrepreneur. Vision ist das langfristig nachhaltige Handeln von Menschen und Firmen. Er ist u.a. Mitgründer des FLYER Elektrobike (1993), swisscleantech (2007) und SHIFT Switzerland (2010). 2018 hat er die Zukunftsinitiative Schweiz2291 – 1000 Jahre Schweiz lanciert. #trylongterm.

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