Die Kindness Economy: Machen soziale Kompetenzen erfolgreich?

06 Januar 2026 07:35

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Freundlichkeit und Wertschätzung sind nicht nur angenehm, sondern zahlen sich auch aus. Das ist der Grundgedanke der Kindness Economy. Business-Knigge-Expertin Susanne Abplanalp stellt zentrale Argumente zur Diskussion.

In einer Welt, die geprägt ist von wirtschaftlichem Wettbewerb, technologischen Fortschritten und Profit hat die Freundlichkeit und Menschlichkeit vermeintlich keinen Platz. Eine Kultur der Wertschätzung, des Respekts und der sozialen Kompetenz kann das Geschäftsleben neu definieren. Menschen, die sich wertschätzend verhalten sind beliebter bei Kunden und Mitarbeitenden, haben weniger Probleme und sind erfolgreicher bei Vorstellungsgesprächen.

Eine in der Deutschschweiz mit 921 Teilnehmern durchgeführte Studie von Polyquest bestätigt, was viele von uns intuitiv wissen: Freundlichkeit und Wertschätzung sind nicht nur angenehm, sondern auch wirtschaftlich vorteilhaft. Gute Umgangsformen im Beruf zahlen sich aus.

Unternehmen, die ihre Kunden und Mitarbeitenden respektvoll behandeln, ernten Sympathie und bekommen eine Vielzahl von Vorteilen. Von einer gesteigerten Arbeitszufriedenheit bis hin zu einer erhöhten Kundenbindung – die positiven Auswirkungen von Sozialkompetenz im Geschäftsumfeld sind vielfältig und nachhaltig.

Bereits bei meiner Recherche zum Buch „Der Office-Knigge – Souverän mit Kunden und im Team“ stiess ich auf mehrere Studien*, die belegen, dass sich Sozialkompetenz lohnt. Und daraus lassen sich einfache Schlussfolgerungen ziehen. 


Fünf Argumente für die Freundlichkeit:
 

  1. Beruflicher Erfolg basiert nur zu 15 Prozent auf Fachwissen.

  2. Freundlichkeit wird belohnt.

  3. Unhöflichkeit rächt sich.

  4. Freundlichkeit generiert mehr Umsatz.

  5. Wertschätzung erhöht die Arbeitszufriedenheit.
     


Der Massstab: People, Planet, Profit

Der Begriff „Kindness Economy“ wurde durch Mary Portas in ihrem Buch „Rebuild“ geprägt. Ihre Botschaft lautet: People, Planet, Profit. Kurz drauf erkannte die Zukunftsforscherin Oona Horx-Strathern die Wichtigkeit dieses Themas und schrieb „Kindness Economy: Das neue Wirtschaftswunder“. Die Grundidee ist einfach: Menschen und ihre Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt des wirtschaftlichen Handelns, gefolgt von ökologischer Verantwortung und erst dann von kommerziellen Interessen. Dieser Ansatz ist ethisch und ökonomisch sinnvoll. Unternehmen, die sich auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden konzentrieren und eine Kultur der Wertschätzung fördern, sind attraktivere Arbeitgeber und erfolgreicher im Kundenkontakt.


Echte Wertschätzung leben und vorleben

Der Schlüssel zur Umsetzung der Kindness Economy liegt in der täglichen Praxis. Anstatt bloss auf finanzielle Kennzahlen zu setzen, sollten Betriebe den Wert von Beziehungen und menschlicher Interaktion erkennen. Führungskräfte müssen über Sozialkompetenz sprechen, sie vorleben und eine Kommunikation auf Augenhöhe bieten. Dies aus innerer Überzeugung – und weil der Fachkräftemangel und die Forderungen der Generation Z sie vor neue Herausforderung stellt. Employer Branding wird dabei zu einem Instrument, um talentierte Mitarbeitende anzuziehen und langfristig zu binden. Doch es geht über Marketing hinaus – es geht um authentische Wertschätzung und eine gelebte Kultur der Freundlichkeit. Das gibt mir als Kunde ein gutes Gefühl.

Menschen spüren, ob Wertschätzung echt oder gespielt ist. Unsere Körpersprache und Details in der Kommunikation verraten uns. Das wichtigste ist der positive Mindset. Die beste Voraussetzung ist, dass bereits bei der Rekrutierung auf soziale Kompetenzen der Mitarbeitenden gelegt wird. Dazu gibt es verschiedene Tests, die angewendet werden können. Am effektivsten ist es, wenn die Vorgesetzten diese Kindness täglich vorleben.

Es liegt in unserer Hand, die Kindness Economy zur Realität werden zu lassen. Sowohl als Arbeitnehmende als auch als Arbeitgebende können wir durch unser Verhalten und unsere Entscheidungen eine freundlichere und sozial nachhaltigere Wirtschaft gestalten. Denn am Ende profitieren wir alle von einer Welt, in der Freundlichkeit nicht nur eine Tugend, sondern ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor ist.

 

Susanne Abplanalp gibt als Geschäftsführerin von kniggetoday mit Sitz in Thalwil ZH seit Jahren ihr Wissen rund um moderne Umgangsformen und den professionellen Auftritt weiter. Ein zentrales Thema ihrer Seminare und Fachbeiträge ist das wertschätzende Verhalten. Sie hat bereits über 700 Workshops für mehr als 5'000 Teilnehmende gestalten können. Susanne Abplanalp ist ausgebildete Marketing-Fachfrau mit Abschluss in Management und Leadership und war in der Vergangenheit unter anderem in Führungspositionen für verschiedene nationale und internationale Produktions- und Dienstleistungsunternehmen in den Bereichen Marketing, Verkauf und Einkauf tätig. 
 

*Hinweise zu den Studien finden Sie im Office-Knigge oder kontaktieren Sie s.abplanalp@kniggetoday.ch.

 

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