Waldbäume füttern die Lebewesen im Boden

08. Juni 2021 15:31

Birmensdorf ZH - Forschende der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) haben ausgewachsene Föhren verhüllt und ihnen eine CO2-Variante verabreicht. Das weltweit erstmalige Experiment hat ein „Füttern“ der Bodenlebewesen nachgewiesen. Und es zeigt Gefahren für das Klima auf.

In einem Grossversuch im Walliser Pfynwald haben Forschende der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) die Wechselwirkung zwischen der CO2-Aufnahme durch Waldbäume und der Versorgung der Bodenlebewesen nachgewiesen. Als Ergebnis zeigte sich laut Medienmitteilung der WSL auch, dass Trockenheit nicht nur das Holzwachstum beeinträchtigt, sondern in der Folge auch die Aufnahmefähigkeit des klimaschädlichen CO2 durch Waldbäume mindert.

Das Team um den Bodenforscher Frank Hagedorn hat im Pfynwald VS zehn 100-jährige Föhren von rund zwölf Metern Höhe in riesige Plastiksäcke eingepackt und sie dann während drei Stunden einer Variante von CO2 ausgesetzt. Dieses Isotop sei komplett unschädlich, erlaube es aber noch Jahre später, die Herkunft des Kohlenstoffs nachzuweisen.

Die Experten konnten schon nach vier Stunden den durch das „zugefütterte“ CO2 markierten und von den Bäumen produzierten Zucker im Boden in den Lebewesen, Wurzeln und Pilzen nachweisen. Die Studie ergab, dass die Bäume die Zucker, die bei der Photosynthese von den Blättern gebildet werden, zwischenlagern und erst mit der Zeit zum Bau von Holzzellen verwenden oder durch die Wurzeln in den Boden abgeben, wird Hagedorn zitiert. Insgesamt werde etwa ein Drittel des aufgenommenen CO2 in den Boden verlagert, von den Organismen dort verbraucht und teilweise wieder abgegeben.

Trockenheit reduziere diese Mengen deutlich. Damit können trockengestresste Föhren auch in guten Zeiten weniger Wasser und Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen, was ihr Wachstum einschränkt. Zudem zeigte sich laut der WSL-Studie, dass die unterirdische Lebensgemeinschaft bei starker Trockenheit inaktiv ist und sich in einer Art Trockenheitsschlaf befindet. Dadurch stehen den Bäumen weniger Wasser und Nährstoffe zur Verfügung, was ihr Wachstum hemmt.

Das könnte bedeuten, dass das Waldökosystem bei zunehmender Trockenheit weniger CO2 speichern kann, was bei Prognosen zu den Effekten des Klimawandels berücksichtigt werden sollte, ist Hagedorns Schlussfolgerung. gba 

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